07.04.2016
Klassiker der Luftfahrt

Rückkehr für den Sommer geplantHappy Birthday Tante Ju

Zum 80. Geburtstag der Lufthansa Ju 52 hatte die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung gute Nachrichten. Die D-AQUI wird den Flugbetrieb im Sommer diesen Jahres wieder aufnehmen.

Junkers Ju 52 Lufthansa Cockpit im Flug

Die legendäre Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung wird nach einer komplizierten Struktur-Reparatur ab Sommer wieder fliegen. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Die Geburtstagsfeier der "Tante Ju" am Mittwoch musste zwar am Boden im Winterquartier in einem Hamburger Hangar bei Lufthansa Technik begangen werden, ab Sommer kann der legendäre Oldie aber wieder fliegen. Dann ist ein komplizierter Mittelholmbruch repariert, der in diesem Jahr eine verlängerte Flugpause mit ungewissem Ausgang erzwang. 

„Bis zum kommenden Sommer soll unsere alte Dame wieder fit sein und fliegen", gab der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS), Bernhard Conrad, jetzt Entwarnung. Conrad sieht auch für die Zukunft gute Chancen, die dreimotorige Dessauerin auch in den kommenden Jahrzehnten lufttüchtig zu halten: "Dank vieler fleißiger Hände bei Lufthansa, Lufthansa Technik und externen Spezialisten wird unsere alte Dame ganz sicher fliegend auch noch ihren 100. Geburtstag erleben."

Die Ju 52 mit der auflackierten Registrierung D-AQUI (amtlich: D-CDLH) ist ein Flugzeug mit bewegter Geschichte. Schon zwei Monate nach ihrer Fertigstellung in den Dessauer Junkers-Werken und der Auslieferung an die damalige Lufthansa am 6. April 1936 kam sie nach Norwegen, wo sie, zeitweise mit Schwimmern statt Rädern ausgestattet, teils zivil, teils militärisch für Flugeinsätze zwischen den Fjorden eingesetzt wurde. 

1957 wurde die Ju 52 nach Ecuador verkauft, wo sie für die Fluggesellschaft „Transportes Aéreos Orientales“ Passagiere und Fracht zu Ölbohrercamps im Amazonasgebiet beförderte. Acht Jahre lang parkte sie danach tatenlos am Rande des Flughafens von Quito, ehe ein amerikanischer Oldtimer-Fan sie 1970 kaufte und in die USA brachte. Dort wechselte sie noch einmal den Besitzer und tingelte etliche Jahre von einer Flugshow zur nächsten. 

Anfang der achtziger Jahre entdeckten Lufthansa-Piloten die Ju zufällig in bemitleidenswertem Zustand auf einem Flugfeld in Florida und überzeugten den damaligen Lufthansa-Vorstand, sie zu kaufen und nach Deutschland zurückzuholen. Als sie am 28. Dezember 1984 nach einem 16-tägigen Überführungsflug erstmals wieder auf deutschem Boden landete, war sie äußerlich eine US-Amerikanerin. Der Name „Iron Annie“, auf den man sie in den Siebzigern in Florida getauft hatte, erinnerte am Seitenleitwerk an die jahrzehntelange abenteuerliche Flug-Odyssee durch etliche Länder beiderseits des Atlantiks. In wesentlich größeren Lettern prangte jedoch der Schriftzug „Going Home“ auf ihrem faltenreichen Wellblech-Rumpf. 

Bei der Lufthansa Technik schenkte man dem Klassiker in einer zweijährigen Verjüngungskur ein „zweites Leben“. Unter der Wellblechhaut verbirgt sich nun ein modernisiertes und komplett digitalisiertes Cockpit, und die drei Neunzylinder-Sternmotoren von Pratt & Whitney mit dem unverkennbaren Brummen, das Ju 52-Fans so lieben, arbeiten dank Zusatzschalldämpfern wesentlich leiser und zuverlässiger als die Originalmotoren von 1936. Den offiziellen Start in ihr „zweites Leben“ mit Erstflug über Hamburg und feierlicher Taufe auf den Namen ihres einstigen Heimatflughafens „Berlin-Tempelhof“ erlebte die Ju vor 30 Jahren, im April 1986. 

Bis zu 16 Passagiere können das Reisen im Stil der Anfangszeit der Passagierluftfahrt erleben, stilecht mit Gardinen und Gepäcknetz. Jahr für Jahr lassen sich tausende Fluggäste bei zahlreichen Rund- und Streckenflügen in ganz Deutschland und Österreich an Bord der "Tante Ju" in die Pionierzeit der Passagierluftfahrt zurückversetzen. Für zahlreiche Piloten der Lufthansa, die im beruflichen Alltag hunderte Fluggäste rund um den Globus befördern, ist es eine Ehre und ein besonderes Vergnügen, hin und wieder aus dem modernen Cockpit eines Airbus- oder Boeing-Jets in die nostalgisch anmutende Kanzel der Ju 52 umzusteigen.

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
SST / PPR


Weitere interessante Inhalte
Fotodokumente Flugzeuge der Luft Hansa bis 1932 - Frühe Kranichjahre

13.03.2017 - Erstaunlich schnell schuf sich die 1926 gegründete Deutsche Luft Hansa ein weit gespanntes Streckennetz. … weiter

Flugzeuge statt Tulpen Museum: Aviodrome in Lelystad

10.01.2017 - Wer in die Niederlande reist, träumt von kleinen, romantischen Städtchen, von Binnenmeeren und Kanälen, vom Paradies für Segler und Motorbootskipper, und an Käse und Tulpen denkt er natürlich auch. … weiter

Göring verteilt Ohrfeigen an die Industrie Typenbereinigung des RLM-Fertigungsprogramms

01.12.2016 - Etwa drei Monate nach der Errichtung des Jägerstabes und der damit verbundenen „Machtverschiebung“ im Reichsluftfahrtministerium hatte Hermann Göring höchstpersönlich die Direktoren beziehungsweise … weiter

Mach-2-Mekka Auto & Technik Museum Sinsheim

16.11.2016 - Besonders Freunde von Verkehrsflugzeugen kommen in Sinsheim auf ihre Kosten. Die Sammlung mit ihren Überschall-Stars Concorde und Tu-144 ist nicht nur in Deutschland einzigartig. … weiter

Frachtfliegen Die frühe Frachtluftfahrt

10.09.2016 - Am 19. August 1911 transportierte ein Harlan-Eindecker druckfrische Exemplare der „Berliner Morgenpost“ von Berlin-Johannisthal nach Frankfurt an der Oder. Dieser Flug markiert den Beginn der … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 05/2017

Klassiker der Luftfahrt
05/2017
29.05.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Die deutschen Einflieger
Stinson L-5
Serie Motor Hispano-Suiza
Klemm L25
AEG-Flugzeuge
Supermarine Spitfire
Douglas C-47
Hawker Hurrican