11.05.2017
Erschienen in: 07/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Karriere mit Schwalbe, Tigerschwalbe und TigerGerhard Fieselers Kunstflugzeuge

Als der völlig unbekannte Gerhard Fieseler im August 1927 erstmals die internationale Bühne der Kunstfliegerei betrat, setzte er mit seinen Flugfiguren neue Standards. Ohne seine drei Kunstflugzeuge wäre seine Karriere allerdings undenkbar gewesen.

kl 07-2013 Fieseler Kunstflug (05)

Mit der RK 26 Tigerschwalbe D-1616 gewann Gerhard Fieseler die zweite Deutsche Kunstflugmeisterschaft 1929 in Mülheim an der Ruhr. Foto und Copyright: DEHLA  

 

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Als erfolgreicher Jagdflieger mit 19 anerkannten Luftsiegen kehrte Gerhard Fieseler Ende 1918 aus dem fernen Mazedonien mit seiner Jagdstaffel 25 in die Heimat zurück. Im schlesischen Brieg erhielt der 22-Jährige dann seine Papiere zur Entlassung aus dem Militärdienst. Aufgrund seiner Leistungen hatten ihm seine Staffelkameraden den Spitznamen „Tiger“ verpasst. Aber dafür konnte er sich in den trüben Tagen der Revolution nichts kaufen, gehörte er doch nicht zu den Hochglanzhelden der Westfront, deren Popularität durch die bekannten Sanke-Postkarten in jeden Haushalt getragen worden war – Fieseler war ein Niemand.

Zurück im heimischen Bonn, erwartete ihn zumindest eine geregelte Arbeit, die ihn ernährte. Als Buchdrucker und später als Geschäftsführer des väterlichen Druckereibetriebes in Eschweiler baute er sich eine kleine Existenz auf. Im Sommer 1925, ein Jahr, nachdem die ersten deutschen Nachkriegs-Sportflugzeuge wieder den Himmel bevölkerten, sah Gerhard Fieseler eine Chance, sich wieder seiner Leidenschaft, dem Fliegen, zu widmen. Scharf beobachtete er die Luftakrobatikvorführungen der beiden fast gleichaltrigen Jagdflieger und Volkshelden Paul Bäumer und Ernst Udet auf einer sonntäglichen Veranstaltung. Mit den Worten „Das könntest du besser!“ sollte die einmalige Karriere des späteren Kunstflugweltmeisters Gerhard Fieseler beginnen.

Trotz familiärer Bedenken wurde die Druckerei verpachtet und die angegliederte eigene Papierwarenfabrik zu Bargeld gemacht. Mit dem Erlös kaufte sich Fieseler mit einem kleinen Anteil in die Raab-Katzenstein Flugzeugwerke in Kassel ein. Als unterbezahlter Fluglehrer und Showpilot tingelte er fortan mit dem „RaKa-Zirkus“ über die Dörfer. Anhaltende Auseinandersetzungen mit Antonius Raab führten jedoch zur Trennung der Partner. Seinen Geschäftsanteil ließ sich Fieseler in Form einer nach seinen Angaben frisierten RaKa Schwalbe auszahlen – seiner ersten eigenen Kunstflugmaschine.

Von Paul-John Hall Ende 1925 entworfen, entwickelte sich der kleine, robuste Doppeldecker zu einem Verkaufsschlager der Kasseler Fabrik. Die Zelle der später unter dem Kennzeichen D-1212 registrierten Maschine trug die Werknummer 65 und kostete ohne Motor 9200 Mark. Anstelle des üblichen Sh 11 mit 96 PS ließ Fieseler den 125 PS leistenden Sh 12 einbauen, der später von einem speziellen Rückenflugvergaser unterstützt wurde.

Bis zur Fertigstellung der Maschine trainierte Fieseler auf einer geliehenen Schwalbe unermüdlich seine auf dem Papier entworfenen Kunstflugfiguren, um am Essener Pfingstflugtag 1927 teilnehmen zu können. Udet und Bäumer hatten bereits ihre Teilnahme für den 5. Juni zugesagt; eine bessere Chance, es allen zu zeigen, gab es kaum. Besonders die Figur des Loopings nach vorn, die von den meisten Fachleuten für undurchführbar gehalten wurde, sollte sein Ass im Ärmel werden. Lohn der Mühe – ein überragender Sieg! Ein wenig übermütig meldete er sich umgehend für die internationale Akrobatik-Meisterschaft in Zürich an.

Kurz vor Wettbewerbsbeginn stellte er am 18. August 1927 noch einen Rückenflugrekord von zehn Minuten 56 Sekunden auf. Als einziger deutscher Teilnehmer trat Fieseler mit seiner Schwalbe D-1212 gegen die übermächtigen französischen Rivalen Alfred Fronval auf einer 130-PS-Morane und den „König der Lüfte“, Marcel Doret auf einer 300-PS-Dewoitine an. Obwohl er Experten zufolge das bessere Programm absolvierte, wurde Fieseler hinter Fronval nur Zweiter.

Trotz dieses umstrittenen Urteils hatte Fieseler der Welt seine Befähigung als Kunstflieger beweisen können. Der „Niemand“ wurde praktisch über Nacht zum Star der nationalen Presse. Ein Jahr später bewies er in Düsseldorf als Sieger der ersten Deutschen Kunstflugmeisterschaft 1928 erneut, dass sein „technisches Fliegen“ den Kapriolen eines Udets bei Weitem überlegen war. Der zweitplatzierte Publikumsliebling zog sich fortan deprimiert aus dem Wettbewerbsgeschehen zurück.


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