15.03.2016
Erschienen in: 08/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

FrachtfliegenDie frühe Frachtluftfahrt

Am 19. August 1911 transportierte ein Harlan-Eindecker druckfrische Exemplare der „Berliner Morgenpost“ von Berlin-Johannisthal nach Frankfurt an der Oder. Dieser Flug markiert den Beginn der deutschen Frachtluftfahrt.

kl 08-2011 Frachtfliegen (01)

Eine der 19 Fokker F.II, die bei der Luft Hansa von 1926 bis 1937 im Einsatz waren. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Der Motorflugplatz Johannisthal-Adlershof im Morgengrauen des 19. August 1911. Siegfried Hoffmann steigt in die von der „Berliner Morgenpost“ gemietete Harlan und hebt mit Leutnant Hans Steffen, der als Navigator fungiert, sowie einer Kiste Morgenzeitungen ab in Richtung Frankfurt an der Oder. Dort landet er, wie die Presse wenig später meldet, nach 38 Minuten und 52 Sekunden Flugzeit.

kl 08-2011 Frachtfliegen (02)

Der Harlan-Eindecker bot nur eine geringe Frachtkapazität. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Damit war Hoffmann eine Stunde schneller als die Eisenbahn, die nicht nur als Orientierungspunkt in Sachen Navigation galt, und hatte gleichzeitig das erste Kapitel der deutschen Luftfrachtgeschichte aufgeschlagen. Dank ihrem Etikett „Mittels Flugmaschine befördert“ war die „Berliner Morgenpost“ an diesem Tag besonders begehrt. Hoffmanns Flug war eher eine Werbemaßnahme als der ernsthafte Versuch, einem neuen Wirtschaftszweig zur Blüte zu verhelfen. Den Gedanken an einen täglichen Lufttransport verwarf die „Morgenpost“ unter Verweis auf die unregelmäßigen Windverhältnisse.

kl 08-2011 Frachtfliegen (03)

Große Distanzen und schlechte Verkehrswege begünstigten im Ersten Weltkrieg den Lufttransport – in diesem Fall von lange ersehnter Heimatpost für die deutschen Truppen an der Palästinafront. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Nennenswerte Luftfrachtunternehmen wie die „Deutsche Luft-Reederei“ entstanden erst mit der Zeit, in der Spätphase des Ersten Weltkrieges bis Anfang der 1920er Jahre. Weiterhin stand der Transport von Zeitungen und von Luftpost im Mittelpunkt. So liebäugelte der Ullstein-Verlag 1925 mit dem Gedanken, einen Konstruktionswettbewerb für ein Zeitungstransportflugzeug auszuschreiben. Ein Frachtflugzeug mit 400 Kilogramm Nutzlast, hoher Geschwindigkeit, kurzen Start- und Landestrecken sowie mit einer speziellen Zeitungsabwurfvorrichtung sollte die Zweckentfremdung von Passagiermaschinen beenden.

Anfang April 1926 nahmen schließlich drei Zeitungsflugzeuge, die BZ I, BZ II und BZ III, ihren Dienst für Ullstein auf. Es handelte sich um Konstruktionen von Albatros und Heinkel. Diese Maschinen wurden auch an ein neu gegründetes Unternehmen vermietet, das den Zeitungstransporteuren bald den Rang ablaufen sollte: die Deutsche Luft Hansa AG. Sie ging aus einem von der Reichsregierung gesteuerten Zusammenschluss der „Deutschen Aero Lloyd AG“ und der „Junkers-Luftverkehrs AG“ hervor.

kl 08-2011 Frachtfliegen (04)

Über eine große Ladeluke im Rumpfrücken verfügten die drei Junkers G 31go, die ab 1930 als Frachtflugzeuge für die Bulolo-Goldbergwerke in Neuguinea flogen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

1926, im Jahr ihrer Gründung, transportierte die Luft Hansa bereits 258 Tonnen Fracht. 1928 richtete sie den ersten Luftfracht-Spezialdienst ein und erschloss Frachtstrecken wie Berlin-Hannover-Essen/Mülheim-Köln-London. Ihrem Bedarf an leistungsfähigen Maschinen mit geeignetem Laderaum verdankte nicht zuletzt eine Flugzeuglegende ihre Entstehung: die Junkers Ju 52. Sie startete am 11. September 1930 zu ihrem Jungfernflug. Zwei Jahre später ging die mit drei Sternmotoren ausgerüstete Ju 52/3m in die Serienproduktion. Der Großteil der ausgelieferten Flugzeuge fand im militärischen Lufttransport weltweit Verwendung. Auch im zivilen Bereich bewährte sich die „Tante Ju“. Sie bildete das Rückgrat für den 1934 eröffneten Luftpostdienst nach Südamerika und den Ausbau des Streckennetzes in Asien und Afrika.
 
Nach der Aufhebung des alliierten Flugverbots begann die neugegründete Deutsche Lufthansa AG 1956 wieder mit der Durchführung von Frachtflügen. Das Tochterunternehmen Lufthansa Cargo ist heute mit weltweit rund 4500 Mitarbeitern Deutschlands größte Frachtairline. Der PR-Coup einer Berliner Zeitung hat sich zu einer boomenden Branche mit zentraler Bedeutung für den Welthandel entwickelt.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 08/2011



Weitere interessante Inhalte
Deutsches Museum München Die Tante Ju zieht um

27.06.2016 - Die Tante Ju des Deutschen Museums ist auf ihre alten Tage noch mal auf Reisen gegangen. Allerdings nicht in der Luft, sondern auf dem Tieflader. Am Samstag, 25. Juni, wurde das Großexponat mit dem … weiter

Göring verteilt Ohrfeigen an die Industrie Typenbereinigung des RLM-Fertigungsprogramms

03.06.2016 - Etwa drei Monate nach der Errichtung des Jägerstabes und der damit verbundenen „Machtverschiebung“ im Reichsluftfahrtministerium hatte Hermann Göring höchstpersönlich die Direktoren beziehungsweise … weiter

Die bekannte Ju 52 D-AQUI in der Werft Comeback der Ju

01.06.2016 - Die Saison 2015 musste die D-AQUI vorzeitig beenden. Diagnose: Mittelholmbruch im Rumpfsegment. Für viele Fans der Dreimot eine schlechte Nachricht. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Rückkehr … weiter

Rückkehr für den Sommer geplant Happy Birthday Tante Ju

07.04.2016 - Zum 80. Geburtstag der Lufthansa Ju 52 hatte die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung gute Nachrichten. Die D-AQUI wird den Flugbetrieb im Sommer diesen Jahres wieder aufnehmen. … weiter

Fotodokumente Flugzeuge der Luft Hansa bis 1932 - Frühe Kranichjahre

12.03.2016 - Erstaunlich schnell schuf sich die 1926 gegründete Deutsche Luft Hansa ein weit gespanntes Streckennetz. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2016

Klassiker der Luftfahrt
06/2016
11.07.2016

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Stars der Luftwaffe
- Röntgenzeichnung Focke-Wulf Ta 152
- 1. Weltkrieg: Fokker Dr.I
- Storchennest Polen
- Sommer-Airshows
- NEU: Gefechtsbericht
- Luftwaffen-Kadetten