12.04.2017
Erschienen in: 01/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Erster Lastenhubschrauber (Teil 3) Startverbot nach tödlichem Zwischenfall

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Nach den euphorischen Rekorden, die aber wegen des Krieges außerhalb der Produktionsstätten kaum Beachtung fanden, wurde die Lastenerprobung fortgesetzt. Je schwerer die Lasten wurden, umso besorgter zeigte sich Testpilot Bode. Zudem wurde das Umschalten auf Autorotation bei zunehmender Geschwindigkeit kritischer. Die Skepsis war berechtigt: Am 5. Februar 1941 war Bode mit einem Begleiter auf 1500 m gestiegen, und hatte bei 150 km/h auf Autorotation geschaltet, als sich der Hubschrauber plötzlich schüttelte und der rechte Rotorausleger mit einem lauten Knall wegbrach. Bode konnte sich in 700 Metern nach Abwurf des Seitenfensters mit dem Fallschirm retten. Sein Begleiter hatte weniger Glück. Er wurde im Wrack nahe der Weser gefunden, seinen Gurt hatte er nicht öffnen können. Bei der Auswertung des Unfalls kam heraus, dass der Lastfaktor das Vierfache des berechneten Maximalwerts betragen hatte. Der Fa 223 wurde für ein Jahr Starverbot erteilt, danach wurden Verbesserungen, die Focke bereits früher berechnet hatte, verwirklicht. Die Fa 223 erhielt ein neues Cockpit, verstärkte Rotorköpfe und einen Dämpfungsmechanismus für das leichtere Umschalten auf Autorotation, ihre Bezeichnung wurde in Fa 223 E ergänzt.

Der Krieg bestimmte das weitere Geschehen. Der ursprüngliche Plan, fünf verschiedene Modelle zu bauen, wurde zugunsten eines einzigen Mehrzweckhubschraubers aufgegeben. Das Reichsluftfahrtministerium orderte im Herbst 1941 eine Vorserie, zuerst 30 dann 22 Maschinen; geplant war später eine Großserie von bis zu 400 Maschinen, allerdings illusorisch angesichts der Kriegslage. In der Nacht des 3./4. Juni 1942 wurden bei einem Bombenangriff auf das Werk in Hoykenkamp die Serienmaschinen V4 bis V10 zerstört, ebenso wie die aus Teilen der verunglückten V3 gebaute V2.

Focke-Achgelis verlegte die Produktion nach Laupheim, wo die Fa 223 in der Folgezeit im Gebirge erprobt wurde. Obwohl Hitler bei einer Flugvorführung bei Mittenwald von der Eignung der Fa 223 „für den Gebirgskrieg“ überzeugt war, fiel wenig später die politische Entscheidung gegen den Hubschrauber, der allerdings nicht komplett zugunsten der Jäger aufgegeben werden sollte. Der Krieg war inzwischen jedoch in eine entscheidende Phase getreten, in der Personal wie Material für die Produktion der Me 163 und der Me 262 dringender benötigt wurden. Nachdem auch Laupheim bombardiert worden war, musste das Werk nach Ochsenhausen ausgelagert werden. Die Focke-Achgelis GmbH wurde Teil der Weser Flugzeugwerke in Berlin-Tempelhof. Bis zum Kriegsende flogen insgesamt elf Fa 223, sie erreichten 400 Flugstunden.

Focke nahm seine Ideen und Erfahrungen nach dem Krieg mit nach Frankreich, wo er bei SNCASE in Paris beratender Ingenieur beim Nachbau der Fa 223 wurde. Sie erhielt in Frankreich die Bezeichnung S.E. 3000. Später war Focke auch an der Entwicklung der S.E. 3101 beteiligt, aus der schließlich die erfolgreiche Alouette entstand.

Der Hubschrauber mit zwei Rotorauslegern hat sich nicht durchgesetzt. Die Entwürfe von Sikorsky und Bell mit nur einem Hauptrotor und einem Heckrotor zum Drehmomentausgleich waren effizienter. Dennoch gelten Fockes Entwürfe, Entwicklungen und Erkenntnisse weltweit als Wegweiser für den Helikopterbau, so wie wir ihn heute kennen.


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