04.11.2016
Erschienen in: 04/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Hoheitszeichen an deutschen FlugzeugenFlaggenverordnung 1933

19 Jahre nach der Einführung des Nationalitätskennzeichens „D“ änderte der 1933 „auf Linie“ gebrachte Deutsche Verwaltungsapparat die Vorschriften zur Kennzeichnung von Fluggeräten.

In Woche sechs nach der Machtergreifung gab Reichskanzler Adolf Hitler in einer Rundfunkansprache den Erlass des Reichspräsidenten Hindenburg bekannt, dass ab 12. März 1933 vorerst die alte Reichsflagge schwarzweißrot sowie die Hakenkreuzflagge gemeinsam an sämtlichen staatlichen und kommunalen Dienstgebäuden als Hoheitsflaggen zu hissen seien. Damit hielt die von Hitler selbst entworfene „Flagge der Bewegung“ offiziellen Einzug in das Straßenbild des Deutschen Reiches.

Einige Monate später folgte mit der Luftfahrtflaggenverordnung vom 6. Juli 1933 auch bei den Fliegern im Lande eine starke Visualisierung der „neuen Zeit“. Genügte bisher das am 1. Januar 1914 eingeführte „D“ als Kennzeichnung, führte der neue Staatsapparat eine zusätzliche und unverkennbare Markierung ein, die an beiden Seiten der Seitenleitwerke und Ruder angebracht werden musste.
Erst mit der endgültigen Regelung des Reichsflaggengesetzes von 1935 war an beiden Seiten der Leitwerke eines jeden deutschen Flugzeuges die Hakenkreuzflagge zu führen.

Wegen der noch immer bei Modellbauern und historisch Interessierten anzutreffenden Verwirrung werden im Nachfolgenden die entsprechenden Verordnungen des Reichsgesetzblattes zitiert. Damit können auch zwei Fehlinterpretationen ausgeräumt werden:
1. Die Hakenkreuzflagge an Flugzeugen war kein Parteisymbol, sondern einfach nur die Hoheitsflagge des Landes, analog zu den Stars & Stripes oder dem Union Jack.
2. Die endgültige Regelung der Flaggenfrage im Jahr 1935 hatte nichts mit der Enttarnung der Luftwaffe zu tun, sondern war ein simpler Staatsakt.

In der Praxis führte die scheinbar durchdachte Verordnung jedoch auch zu Missverständnissen, wie bei den bei der Lufthansa eingesetzten Junkers G 31 und G 38 mit ihren großen Doppelseitenleitwerken. Nicht alle für die Durchsetzung Verantwortlichen in den Werkstätten wussten zwischen Steuerbord und Backbord zu unterscheiden, wie einige der hier gezeigten Bilder belegen.
Marton Szigeti


Auf Grund des §2 des Luftverkehrsgesetzes vom 1. August 1922 wird hiermit verordnet:

§ 1
Deutsche Luftfahrzeuge führen neben dem Buchstaben D als weitere Hoheitszeichen die schwarzweißrote Flagge und die Hakenkreuzflagge (Hoheitsflaggen).

§ 2
(1) Flugzeuge führen die Hoheitsflaggen in Form von Farbstreifen am Seitenleitwerk, und zwar an der Steuerbordseite drei zur Flugzeuglängsachse gleichlaufende, gleich breite Querstreifen, oben schwarz, in der Mitte weiß, unten rot, an der Backbordseite ein roter Streifen mit runder weißer Scheibe, darin ein schwarzes schräg gestelltes Hakenkreuz nach näherer Beschreibung im Abs. 2. Die beiden Farbstreifen müssen gleich groß und so bemessen sein, daß mindestens die halbe Höhe des über dem Höhenruder liegenden Teiles des Seitenleitwerkes ausgefüllt ist und ein Verhältnis der Höhe zur Gesamtlänge jedes der beiden Farbstreifen etwa wie 3:5 entsteht.
(2) Der Farbstreifen der Hakenkreuzflagge ist wie folgt anzuordnen: Im roten Streifen eine runde weiße Scheibe, darin ein schwarzes Hakenkreuz, dessen Schenkel um 45 Grad schräg liegen. Roter Streifen, weiße Scheibe und Hakenkreuz haben einen gemeinsamen Mittelpunkt. Der dem vorderen Rand des Seitenleitwerkes nächste Winkel des Hakenkreuzes ist nach oben offen. Durchmesser der weißen Scheibe gleich drei Vierteln der Höhe des roten Streifens. Länge der Hauptbalken des Hakenkreuzes gleich der Hälfte der Höhe des roten Streifens. Breite der Arme und der Winkelschenkel des Hakenkreuzes und Abstand untereinander gleich einem Zehntel der Höhe des roten Streifens. Länge der Winkelschenkel außen gleich drei Zehnteln, innen gleich zwei Zehnteln der Höhe des roten Streifens.

§ 3
(1) Luftschiffe führen die Hoheitsflaggen in Form von Farbstreifen je an der oberen und unteren Flosse des Seitenleitwerkes, und zwar an der Steuerbordseite den Farbstreifen der schwarzweißroten Flagge, an der Backbordseite den der Hakenkreuzflagge.
(2) Der Farbanstrich erstreckt sich auf die gesamten Flossen- und Ruderflächen des Seitenleitwerkes; im übrigen gilt § 2 entsprechend.

§ 4
(1) Segelflugzeuge, Anhängerflugzeuge und Freiballone sind zur Führung der Hoheitsflaggen verpflichtet, wenn sie die Reichsgrenzen verlassen.
(2) Segelflugzeuge und Anhängerflugzeuge führen die Hoheitsflaggen in Form von Farbstreifen entsprechend § 2.
(3) Freiballone setzen zwei gleich große Hoheitsflaggen.

§ 5
Für die Ausführung der Farbstreifen (§§ 2 und 3) sind die Muster in Anlage 1 und 2 maßgebend. Für Luftfahrzeuge, deren Bauart die Anbringung in der vorgeschriebenen Form nicht gestattet oder die Erkennbarkeit wesentlich beeinträchtigt, bestimmt der Reichsminister der Luftfahrt die Art der Ausführung.

Berlin, den 6. Juli 1933
Der Reichsminister der Luftfahrt
Göring
Der Reichsminister des Innern
Frick



Weitere interessante Inhalte
Forschungsflugzeug NASA AD-1

22.08.2017 - Der Schrägflügel verspricht wie ein Schwenkflügel gute Eigenschaften sowohl bei Start und Landung als auch im Schnellflug. Trotzdem wurde bisher nur ein einziges Versuchsflugzeug gebaut, um die … weiter

US-Jagdbomber Douglas A-1 Skyraider

22.08.2017 - Erst verloren und nach einem holprigen Start doch alles gewonnen, so kann man die Geschichte der Douglas A-1 Skyraider in aller Kürze zusammenfassen. … weiter

Erfolgsjäger Hawker Hunter

22.08.2017 - Die Hawker Hunter ist eine Erfolgsgeschichte des britischen Flugzeugbaus. Der einstrahlige Jäger war nicht nur bei der RAF im Einsatz, sondern auch bei vielen Exportkunden. … weiter

LTM Rechlin Gotha Go P-60C enthüllt

21.08.2017 - Das Luftfahrttechnische Museum präsentierte am Wochenende erstmals sein Exponat des Nachtjägers. Das Modell war die letzte Ausführung der drei P-60 Entwürfen, die von der Firma Gotha Waggonfabrik in … weiter

Der zweite Streich Indiens erster Jet-Jäger entstand mit deutscher Hilfe

21.08.2017 - Nachdem die Konstruktion des Jagdflugzeugs Pulqui II in Argentinien abgeschlossen war, reiste Professor Kurt Tank weiter nach Indien. Dort schuf er im Auftrag der indischen Luftstreitkräfte die … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2017

Klassiker der Luftfahrt
06/2017
01.06.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Messerschmitt Bf 109 E: Die Rückkehr des Sterns
Bell P-63 Kingcobra: So fliegt sich der seltene Jäger
Ernst Piech: Nachbau für Porsche-Enkel
Focke-Wulf: Entstehung der Condor