04.08.2017
Erschienen in: 01/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Flotte Gina (Teil 2) Frankreich storniert die Bestellung

kl 01-2015 Fiat G.91 (01)

Die „Gina“ von Fiat war der erste in Serie produzierte Kampfjet Italiens. Die Hauptversion war die G.91R mit Kameranase. Foto und Copyright: Fiat  

 

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Die Aeronautica Militare Italiana (AMI) stellte die G.91 zunächst bei der 103° Gruppo in Dienst. Die Staffel flog in Pratica di Mare und später in Treviso-San Angelo. Die Ausrüstung bestand aus Maschinen der Vorserie, erkennbar an den spitzen Nasen ohne Kameraöffnungen. Außerdem befand sich die Trainerversion G.91T mit einem um 1,40 Meter verlängerten Rumpf in der Entwicklung. Sie startete am 31. Mai 1960 zum Jungfernflug.

Während die Aeronautica Militare Italiana zunächst 50 Exemplare der G.91R/1 in Auftrag gab, zog Frankreich eine Bestellung über 48 Maschinen der Version G.91R/2 zurück, wahrscheinlich als Folge des NATO-Verzichts auf eine zweite Erdkämpfergeneration aus Etendard- oder Taon-Weiterentwicklungen. Die US Army begann 1961 mit der Evaluierung einiger Maschinen in Fort Rucker und Kirtland, die von Kompetenzstreitigkeiten mit der US Air Force und dem tödlichen Absturz Bignaminis überschattet wurden. Die Maschine des Testpiloten verunglückte am 1. Februar 1961 bei einem Start mit Hilfsraketen in Fort Rucker.

Auch Griechenland und die Türkei sprangen ab und wählten stattdessen die Northrop F-5A. Ihre insgesamt 50 G.91R/4 gingen ab 1961 an die Luftwaffe. Dabei hatte Griechenland bereits einige G.91 übernommen und in Larissa innerhalb des 110. Geschwaders eine G.91-Staffel aufgestellt. Auch Österreich war interessiert, aber eine Bestellung über 14 Maschinen wurde nicht realisiert.
Am 6. November 1958 hatte dagegen der Verteidigungsausschuss des Bundestages die Beschaffung von 50 G.91R/3 bei Fiat genehmigt. Ein Abkommen zum Lizenzbau folgte wenig später. Die deutschen „Ginas“ waren mit zwei 30-mm-Kanonen DEFA 552 bewaffnet, anstelle der üblichen vier 12,7-mm-MGs. Die Arbeitsgemeinschaft Süd aus Dornier, Heinkel und Messerschmitt produzierte insgesamt 316 Exemplare, davon 22 Doppelsitzer G.91T/3. Der Erstflug einer G.91R/3 bei Dornier erfolgte am 20. Juli 1961. Mehr zu den deutschen G.91 lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Klassiker der Luftfahrt.

Während die Luftwaffe ihre letzte „Gina“ 1982 ausmusterte, flogen die Italiener die einsitzige Fiat noch bis 1992. Die letzte Staffel war die 14° Gruppo der 2° Stormo in Treviso. Sie rüstete auf den Nachfolger AMX um. Am 7. April 1992 startete dort die G.91R zu einem letzten Einsatz. Der Abschiedsflug eines Doppelsitzers fand erst am 30. September 1995 statt, als die G.91T mit der Kennung MM.6363 in Amendola landete. Der einzige weitere Betreiber war Portugal.

Nachdem die Luftwaffe die G.91/R4 ausgemustert hatte, gingen 40 Exemplare an die portugiesischen Luftstreitkräfte. Der erste Jet landete am 4. Dezember 1965 in Monte Real. Dort flog er bei der Esquadra 51 „Falcoes“. Im April 1966 verlegte Portugal acht Maschinen ins heutige  Guinea-Bissau. Später kamen zwei Staffeln in Mosambik hinzu. Mit der Außerdienststellung der „Gina“ in Deutschland wuchs die Zahl der Jagdbomber auf 136 Flugzeuge. Die letzten flogen bis zum 15. Juni 1993. Insgesamt baute Fiat 376 G.91, davon 147 Trainer.


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Patrick Hoeveler


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