03.03.2017
Erschienen in: 02/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Deutsche Gina (Teil 2) Letzter Einsatz als Zielschlepper von Condor

kl 02-2015 Fiat - G.91 Luftwaffe (07)

Zu ihrem letzten Flug am 11. März 1982 bekam diese G.91 aus Fürstenfeldbruck einen weiß-blauen Sonderanstrich. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Ein nur kurzes Gastspiel bei der Luftwaffe hatte die G.91 R.4. Griechenland und die Türkei hatten 50 Exemplare bestellt, nahmen aber später Abstand von einem Kauf und entschieden sich für die Northrop F-5 Freedom Fighter. Aus politischen Gründen sollte die Luftwaffe die Maschinen übernehmen, deren Hauptunterschied zur deutschen R.3-Variante in der Bewaffnung bestand. Sie verfügten über vier 12,7-mm-MGs  statt der zwei 30-mm-Bordkanonen. Aber auch bei Avionik und sonstiger Ausrüstung gab es Unterschiede. Daher blieben Einsatzspektrum und Nutzungsdauer beschränkt: Die R.4 dienten bei der WaSLw 50 in Fürstenfeldbruck der Ausbildung von Flugzeugführern, bis 40 Exemplare im Jahr 1966 an die Luftstreitkräfte Portugals übergeben wurden – im Gegenzug für die Nutzung des Fliegerhorstes Beja. Zuvor waren fünf Maschinen abgestürzt, eine wurde zur Ersatzteilgewinnung herangezogen. Vier R.4 blieben in Deutschland: Die BR+361 diente als Ausstellungsobjekt in der Wanderausstellung „Unsere Luftwaffe“ und blieb später, mit einem Tigeranstrich versehen, bei der 1. Staffel auf dem Fliegerhorst Oldenburg, bis sie verschrottet wurde. Die BR+239 steht heute im Museum in Gatow, die BR+362 als Sockelflugzeug in Heide und die BD+248 im Luftfahrtmuseum Wernigerode.

Im Lauf ihrer Karriere erwies sich die „Gina“ als unkompliziertes Flugzeug, sowohl in technischer als auch in fliegerischer Hinsicht. Zunächst gab es allerdings Probleme mit dem Navigationssystem: Das für die deutschen Maschinen entwickelte Kreiselsystem funktionierte nicht, so dass die Jets nur bei Sichtflugbedingungen in die Luft steigen durften. Erst der Einbau einer TACAN-Anlage im Abteil der rechten Bordkanone sorgte für Abhilfe. Jedoch ließ sich die Kanone in diesem Fall nicht nutzen. Schnell behoben werden konnten die Probleme mit der Kraftstoffregelung und den Bremsen.

Die Hauptaufgabe der G.91 war die Unterstützung von Bodentruppen. Im Kriegsfall sollte das Waffensystem Einsätze bis zu 185 Kilometern hinter der Front fliegen. Dazu mussten die LeKGs näher an das Geschehen verlegen und auch von Behelfsflugplätzen, Autobahnabschnitten oder Graspisten aus fliegen. Letztere Einsatzmöglichkeit wurde auch in Deutschland erprobt, unter anderem in Bad Tölz. In den 70er Jahren galt der Jet aufgrund der geringen Waffenzuladung und niedrigen Geschwindigkeit sowie fehlender Avionik (Allwetterfähigkeit, Waffenrechner) als nicht mehr zeitgemäß. Als Ersatz entschied sich die Luftwaffe für eine Jagdbomberversion des Alpha-Jet-Trainers. Mit dem letzten Flug der weiß-blauen G.91 T.3 von Fürstenfeldbruck zur Verwertung nach Oldenburg am 11. März 1982 endete die Ära der „Gina“ bei der Luftwaffe. Fast 60 Einsitzer und neun Doppelsitzer waren bei Unfällen und Abstürzen verloren gegangen. Viele der verbliebenen Exemplare fanden später in Portugal eine neue Heimat, dort flogen sie noch bis 1993.

Die letzten deutschen G.91 im Einsatz waren die Maschinen von Condor. Die Fluggesellschaft betrieb neben dem Airline-Geschäft ab 1975 zeitweise bis zu 22 Ein- und zwei Doppelsitzer zur Zieldarstellung für Einheiten der Bundeswehr vom Fliegerhorst Hohn aus. Der Betrieb wurde erst am 28. Januar 1993 nach 32 207 unfallfreien Flugstunden eingestellt.


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Patrick Hoeveler


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