29.03.2017
Erschienen in: 08/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

AllzweckflugzeugFairey Firefly

Die doppelsitzige und trägertaugliche Fairey Firefly („Glühwürmchen“) erwies sich, trotz ihres wenig spektakulären Äußeren, als wahres Multitalent.

IN DIESEM ARTIKEL

Das Konzept der Firefly ging auf eine Forderung der Royal Navy aus den zwanziger Jahren zurück: Gesucht wurde zunächst ein schneller doppelsitziger Aufklärer, der in der Zweitrolle auch als Abfangjäger eingesetzt werden sollte. In den dreißiger Jahren wurde diese Zweitrolle immer höher gewichtet. Die schließlich in der Ausschreibung N.5/40 formulierten Forderungen verlangten ein Allzweckflugzeug mit guten Jägereigenschaften. Für diese Aufgaben wurde die Firefly maßgeschneidert.

Die wesentlich schneller als ihre Vorgängerin Fairey Fulmar ausgelegte Firefly war mit vier 20-mm-Bordkanonen auch stärker bewaffnet. Mit ihrem flüssigkeitsgekühlten Rolls-Royce Griffon IIB V-12 (Leistung: 1730 PS/1290 kW) kam die Firefly auf über 500 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ihr technischer Clou waren aber die guten Langsamflugeigenschaften, die sie mit Hilfe von ausfahrbaren Landeklappen der Bauart Fairey Youngman erzielte. Die Klappen konnten vollständig in den Flügel eingefahren werden. Im Langsamflug konnte die Firefly locker eine Spitfire auskurven.

Die von H. E. Chaplin entworfene Firefly wurde bis 1954 in acht Grundversionen und einer unübersichtlichen Zahl von 22 Unterversionen gebaut. 1702 Flugzeuge sollen laut Fairey entstanden sein, viele wurden umgebaut und in anderen Rollen weiterverwendet. Die wichtigsten waren die Jäger- und Aufklärerversion F.R.1, der U-Boot-Jäger A.S.5 und die Trainerversion T.7.

Die Konstruktionspläne der Firefly wurden im Juni 1940 genehmigt; im selben Sommer verzeichnete der Hersteller schon Bestellungen für 200 Serienflugzeuge. Am 22. Dezember 1941 startet der Prototyp (Z1826) mit Chris Staniland am Steuer auf dem Flugplatz Great West zum Erstflug. Staniland verunglückte mit dem zweiten Prototyp 1942 wegen Problemen mit dem Höhenruder. Daraufhin wurde dessen Hornausgleich auf einen Massenausgleich umgestellt. Auch wurden die Querruder in der Serie mit Metall anstelle von Stoff beplankt.

Als trägertaugliches Flugzeug konnte die Firefly ihre Flügel zum Parken entlang der hinteren Hilfsholme nach hinten schwenken und senkrecht stellen. Bis zur Version Mark 5 geschah dies manuell und sehr personalaufwändig. Bennötigt wurden jeweils fünf Helfern pro Flügelspitze, je einer am Schwenkgelenk und ein Helfer im Cockpit. Der Flügel wurde am Ende hydraulisch verriegelt.

Als erstes Vorserienflugzeug wurde die Z1830 im März 1943 von Fairey in Hayes ausgeliefert. Auch General Aircraft in Hanworth erhielt einen Bauauftrag und produzierte die Firefly von Ende 1943 bis Ende 1945. Statt 200 Flugzeuge wurden hier aber nur 132 tatsächlich gebaut.

Im Lauf der Serienproduktion erhielt die Firefly eine vergrößerte Cockpithaube. Auf den anfänglich installierten Scheibenwischer wurde verzichtet. Immer stärkere Griffon-Versionen wurden installiert. So hatte die bis Kriegsende produzierte Firefly Mark 1 schließlich ein Triebwerk mit 1990 PS (1484 kW) Leistung. Als Auslandsbetreiber der Firefly erhielt 1946 der Royal Netherlands Naval Air Service 30 Flugzeuge.


WEITER ZU SEITE 2: Firefly spürten „Tirpitz“ auf

1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Luftfahrtwochenende in Nordrhein-Westfalen 18. bis 20. August: Flugtage in Soest

18.08.2017 - Die Flugsportgemeinschaft Soest veranstaltet dieses Wochenende eine Airshow. Auf dem Flugplatz werden Besuchern neben Oldtimern auch moderne Kunstflugzeuge präsentiert. … weiter

Kurze Karriere Jagdgeschwader 75

18.08.2017 - Ursprünglich wollte die Luftwaffe zwei Geschwader mit dem Allwetterjäger F-86K Sabre aufstellen. Das JG 75 existierte in Leipheim jedoch nur sieben Monate und war der Vorläufer des JG 74 in Neuburg an … weiter

Balkan- und Kretaeinsatz beim Jagdgeschwader 77 Messerschmitt Bf 109 im Fronteinsatz

18.08.2017 - Im Balkan-Feldzug und beim Kampf um Kreta spielte das JG 77 mit seinen Bf 109 eine wichtige Rolle. Für die Menschen und das Material waren die Kämpfe eine große Herausforderung. Mit diesem Bericht … weiter

California Dreaming Lyon Air Museum

18.08.2017 - „The Greatest Generation in aviation History“ – die großartigste Generation der Luftfahrt. So titelt das Lyon Air Museum auf seiner Website. Absolut zu Recht, denn in der klimatisierten Halle am … weiter

Navy-Spezialist für Nacht und Nebel Im Trägereinsatz: Grumman A-6 Intruder

17.08.2017 - Die Grumman A-6 Intruder war das erste Angriffsflugzeug der US Navy, das bei Nacht und schlechtem Wetter Ziele effektiv bekämpfen konnte. Sie kam im Vietnam und im Golfkrieg zum Einsatz. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2017

Klassiker der Luftfahrt
06/2017
01.06.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Messerschmitt Bf 109 E: Die Rückkehr des Sterns
Bell P-63 Kingcobra: So fliegt sich der seltene Jäger
Ernst Piech: Nachbau für Porsche-Enkel
Focke-Wulf: Entstehung der Condor