27.09.2016
Klassiker der Luftfahrt

Rekord-SprinterExperimentalflugzeug Nord 1500 Griffon

Ende der 50er Jahre war die mit einem kombinierten Turbojet-/Staustrahlantrieb ausgestattete Nord 1500 Griffon das schnellste Flugzeug in Westeuropa. Zur geplanten Weiterentwicklung zu einem Abfangjäger kam es jedoch nicht mehr.

IN DIESEM ARTIKEL

Fast abenteuerlich erscheinen heutzutage die Antriebsalternativen, mit der die Ingenieure nach Kriegsende die damals chronische Untermotorisierung von Kampfflugzeugen beheben wollten. Besonders in Frankreich, wo das Luftfahrtministerium Anfang der 50er Jahre einen schnellen Abfangjäger mit kurzer Reichweite als Verteidigung gegen mögliche Überschallbomber forderte, setzten die Konstrukteure auf den einfachen und leistungsstarken Staustrahlantrieb. Neben René Leduc betätigte sich die mit Arsenal zusammengeschlossene Nord Aviation auf diesem Gebiet. Während Nord mit der überschallschnellen Gerfaut bereits Erfahrungen mit Deltaflügeln machte, hatte Arsenal mit den in Frankreich „Stato-Réacteur“ genannten Aggregaten experimentiert. Versuche mit Exemplaren mit 0,6 Metern Durchmesser in verschiedenen Konfigurationen an einer Junkers Ju 88 und Gloster Meteor zeigten jedoch, dass ein Einsatz bei Unterschallgeschwindigkeit schwierig war.

Eine ungewöhnliche Kombination aus Turbojet für Start sowie Landung und Staustrahl für den Reiseflug sollte dieses Dilemma beseitigen. „Sie liegt gewissermaßen auf der Hand, da sich die beiden Antriebsarten auf natürliche Weise ergänzen: Das Staustrahlrohr leistet bei niedrigen Geschwindigkeiten keinen Schub, bei höheren Geschwindigkeiten wächst sein Schub. Umgekehrt vermindert die Strahlturbine ihren Schub gerade bei jenen Überschall-Machzahlen, bei denen sich das Staustrahltriebwerk zu lohnen beginnt“, sagte Nord-Forschungsdirektor Jacques Dupin im Jahr 1958. „Gleichwohl ist die rationelle Kombination der beiden Antriebsarten alles andere als einfach.“

Um das Risiko so weit wie möglich zu reduzieren, sollte der erste der beiden am 24. August 1953 bestellten, zunächst Guépard genannten Prototypen nur mit einen konventionellen Turbojet fliegen. Unter der Leitung von Claude Flamant entstand ein skurriles Flugzeug, das im Wesentlichen aus einem zylindrischen Rumpf für das Triebwerk bestand. Über dem großen Lufteinlauf war das Cockpit angeordnet. Ein Großteil des Treibstoffs fand im doppelwandigen Rumpf Platz. Der Deltaflügel, dessen Vorderkante um 60 Grad gepfeilt war, besaß kombinierte Quer- und Höhenruder. Zur Trimmung dienten feststehende Entenflügel unterhalb des Cockpits.


WEITER ZU SEITE 2: 150 Düsen sorgen für Schub

1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Kurze Karriere Jagdgeschwader 75

18.08.2017 - Ursprünglich wollte die Luftwaffe zwei Geschwader mit dem Allwetterjäger F-86K Sabre aufstellen. Das JG 75 existierte in Leipheim jedoch nur sieben Monate und war der Vorläufer des JG 74 in Neuburg an … weiter

Navy-Spezialist für Nacht und Nebel Im Trägereinsatz: Grumman A-6 Intruder

17.08.2017 - Die Grumman A-6 Intruder war das erste Angriffsflugzeug der US Navy, das bei Nacht und schlechtem Wetter Ziele effektiv bekämpfen konnte. Sie kam im Vietnam und im Golfkrieg zum Einsatz. … weiter

Der erste strahlgetriebene Transporter der Welt Lockheed C-141A Starlifter Werbeprospekt

17.08.2017 - Im Jahr 1963 startete der erste strahlgetriebene Transporter der Welt zu seinem Jungfernflug. Die Lockheed C-141 Starlifter sollte mehr als vier Jahrzehnte wertvolle Dienste bei der US Air Force … weiter

Schwarzer Blitz Lockheed SR-71 Blackbird

17.08.2017 - Egal in welchem Museum man sie sieht, die SR-71 Blackbird wirkt auch mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem Erstflug wie ein Flugzeug aus der Zukunft. Unter strengster Geheimhaltung entstand der Mach 3 … weiter

PBY Catalina in Lelystad Schreckmoment für Catalina in Holland

16.08.2017 - Am 15.08.2017 musste die älteste weltweit fliegende Consolidated PBY Catalina in Lelystad ohne Bugfahrwerk landen. Den sehr erfahrenen Piloten ist es zu verdanken, dass niemand zu Schaden kam und das … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2017

Klassiker der Luftfahrt
06/2017
01.06.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Messerschmitt Bf 109 E: Die Rückkehr des Sterns
Bell P-63 Kingcobra: So fliegt sich der seltene Jäger
Ernst Piech: Nachbau für Porsche-Enkel
Focke-Wulf: Entstehung der Condor