03.01.2017
Erschienen in: 06/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

AllrounderErstflug der Messerschmitt Bf 110

Die Messerschmitt Bf 110 flog im Mai 1936 zum ersten Mal. Kaum jemand ahnte damals, dass die Bf 110 bis 1945 eines der wichtigsten Flugzeuge der Luftwaffe bleiben würde. Doch sie bewährte sich in vielen Rollen. Wirklichen Ersatz gab es nicht.

Augsburg-Haunstetten, 12. Mai 1936: Testpilot Dr. Hermann Wurster rollt auf dem Werksflugplatz der Bayerischen Flugzeugwerke mit einem brandneuen Flugzeug an den Start. Die Bf 110 V1 (D-AHOA), konzipiert als zweimotoriger Zerstörer, kommt zum ersten Mal in die Luft. Das Flugzeug unterscheidet sich äußerlich noch an einigen Stellen von den späteren Serienversionen. Die doppelten Seitenleitwerke sind relativ eckig geformt, die Rumpfnase ist stumpfer, und als Antrieb dienen noch zwei Jumo 210 mit Zweiblattpropellern.

Zum Zeitpunkt ihres Erstflugs ist noch nicht ausgemacht, dass die Bf 110 als Sieger aus dem Wettbewerb um ein als Zerstörer bezeichnetes neues Kampfflugzeug hervorgehen wird. Als stark bewaffneter Langstreckenjäger soll es die Bomberverbände schützen. Hermann Göring, der Reichsminister für Luftfahrt, favorisierte schon seit 1934 diese Idee. Fachleute standen ihr eher skeptisch gegenüber. Würde ein solch relativ großes Flugzeug im Luftkampf gegenüber wendigeren, leichten Abfangjägern bestehen können?

Schließlich wurden Focke-Wulf, Henschel und Messerschmitt ins Rennen um das neue Kampfflugzeug geschickt. Focke-Wulf entwickelte die Fw 57, das erste Ganzmetallflugzeug der Bremer. Mit 25 Metern Spannweite größer noch als der Bomber He 111 und mit fast sieben Tonnen Leermasse geriet sie viel zu schwer. Nach dem Erstflug im Juni 1936 stellte sich heraus, dass auch die Flugeigenschaften nicht befriedigten. Bald danach wurde die Entwicklung der Fw 57 eingestellt. Auch Henschels Hs 124, die ebenfalls im Sommer 1936 erstmals in die Luft kam, konnte nicht überzeugen. Damit war nun klar, dass die Bf 110 der Hoffnungsträger für den neuen schweren Jäger sein würde.

Die Bf 110 ist ein Messerschmitt-typischer Leichtbau. Projektleiter Robert Lusser und sein Team griffen dabei auf Leichtbaumethoden zurück, die sich bereits bei der Bf 109 bewährt hatten. Der Rumpf mit ovalem Querschnitt ist prinzipiell ähnlich aufgebaut wie der des Jägers. Er ist aus zwei senkrecht zusammengefügten Halbschalen gebaut. Die vorgeformten Beplankungssegmente wurden auf ein Gerüst von Längsstringern und Ringspanten genietet. Der zweiteilige, einholmige Flügel leitet seine Kräfte über Anschlüsse am Hauptholm und an der Flügelnase in den Rumpf ein. Wie die Bf 109 besitzt auch die Bf 110 automatisch ausfahrende Vorflügel, um die Langsamflugeigenschaften zu verbessern. Sie reichen, wie auch die Querruder, über rund 40 Prozent der Spannweite. Innen liegen Schlitzklappen, die auch kurze, steile Anflüge ermöglichen sollen. Die Motoren sind zwischen Längsträgern aufgehängt, die sich am Hauptholm abstützen. Zugunsten hoher Wirksamkeit verwendet die Bf 110 doppelte Endscheiben-Seitenleitwerke, die von den Luftschrauben angestrahlt werden. Die Hauptfahrwerke fahren nach hinten in die Motorgondeln ein. Das Spornrad ist bei den meisten Versionen nicht einziehbar. Pilot und Beobachter sitzen im gepanzerten Tandemcockpit hintereinander. Zwischen den beiden Abteilungen ist ein Teil der Bewaffnung unter dem Rumpf montiert. Der Bordschütze verfügt noch über ein nach hinten gerichtetes MG auf einer drehbaren Lafette. Weitere starre MGs oder Bordkanonen befinden sich unter einer Abdeckung in der Rumpfnase. Unter Rumpf und Flügel befinden sich Bombenaufhängungen oder auch Anschlusspunkte für abwerfbare Zusatztanks.


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