19.02.2016
Erschienen in: 08/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

ErdkampfflugzeugBAC 167 Strikemaster

Mitte der 1960er Jahre rüstete die British Aircraft Corporation ihren Strahltrainer Jet Provost für Kampf- und Aufklärungsaufgaben auf. Immerhin zehn Länder nutzten den Doppelsitzer, der bis zu 1360 Kilogramm Waffen tragen konnte.

In den 1950er Jahren kamen Strahltrainer in Mode, und auch die Percival Aircraft Company zeigte bereits auf der Luftfahrtschau  in Farnborough 1952 entsprechende Studien. Ziel war es, Teile der mit Kolbenmotor bestückten P.56 Provost zu nutzen. Die mit einem Viper-Triebwerk ausgerüstete Jet Provost des inzwischen als Hunting Percival Aircraft firmierenden Unternehmens startete am 26. Juni 1954 in Luton zum Erstflug und wurde anschließend in mehreren Varianten für die Royal Air Force und den Export gebaut.

Mitte der 1960er Jahre machte sich BAC (Fusion von Bristol, English Electric, Hunting und Vickers-Armstrong) daran, das bewährte Grundmodell zu verbessern, um den Wünschen der RAF nach einer Version mit Druckkabine nachzukommen und international konkurrenzfähig zu bleiben. Am 16. März 1965 hob D. G. Addicott mit dem Versuchsträger BAC 166 in Luton zum Erstflug ab. Die aus einem Jet Provost T.4 umgebaute Maschine wurde von einem Viper 522 angetrieben, das 14,2 Kilonewton Schub lieferte – ein erheblicher Zuwachs gegenüber den 11,1 Kilonewton des sonst verwendeten Viper 11. Dafür mussten die Lufteinläufe und der Durchmesser der Schubdüse vergrößert werden.

Auf dieser Basis entstanden die BAC 164 (alias Jet Provost T.5 für die RAF) und die BAC 167 (ab Oktober 1968 als Strikemaster bezeichnet). Beiden gemeinsam war ein geänderter und verstärkter Flügel mit zusätzlicher Tankkapazität sowie ein umkonstruierter Vorderrumpf mit verlängertem Bug und einem druckbelüfteten Cockpit. Dieses lieferte eine Druckhöhe von 7630 Metern in 12 190 Metern Flughöhe und ermöglichte auch eine gute Kühlung.

Die erste Jet Provost T.5 (XS230), die dann doch das schwächere Viper 222 erhielt, begann ihre Flugerprobung am 26. Februar 1967 in Warton, wohin das Programm zwischenzeitlich verlagert worden war. Einige Monate später, am 26. Oktober, hob dann auch die BAC 167 (Kennung G27-8) zu ihrem Jungfernflug ab.

Acht Waffenträger

Die neue Version verfügte über eine verstärkte Zelle und ein modifiziertes Kraftstoffsystem. Inklusive der optionalen Behälter an den Flügelspitzen konnten 1665 Liter getankt werden. Für die Rolle als Kampfjet für die Luftnahunterstützung erhielt die BAC 167 acht Aufhängungspunkte, die bis zu 1360 Kilogramm Außenlasten aufnehmen konnten. Dazu zählten ungelenkte Raketen (SNEB oder SURA) genauso wie Bomben (250 oder 500 kg). Darüber hinaus waren in den Flügelwurzeln zwei 7,62-mm-MGs von FN Herstal mit je 550 Schuss eingebaut. Zum Zeitpunkt des Erstflugs hatte BAC bereits die ersten Exportaufträge an Land gezogen. Das Königreich Saudi-Arabien bestellte im Rahmen eines 100 Millionen Pfund schweren Rüstungsgeschäfts im Mai 1966 gleich 25 Exemplare (Strikemaster Mk 80),.Sie wurden bei der 9. und 11. Staffel in Dienst gestellt. Weitere 20 Maschinen wurden in den 1970er Jahren bestellt.

Auch das Sultanat Maskat und Oman, das  nach dem Abzug der Briten aufrüstete, konnte im Mai 1967 als Kunde gewonnen werden. Mit Nachbestellungen 1968 und 1973 belief sich die Stückzahl der Strikemaster Mk 82 und 82A schließlich auf 24. Sie wurden von Salalah aus intensiv bei den Kämpfen gegen Rebellen in Dhofar eingesetzt, und viele wiesen Beschusslöcher auf.

Auf der Arabischen Halbinsel war der Südjemen mit einer Bestellung im Dezember 1966 ein weiterer Strikemaster-Kunde. Vier Mk 81 wurden ab Anfang 1969 ausgeliefert. In Asien war BAC ebenfalls zur Stelle, als Singapur nach dem Rückzug der britischen Streitkräfte aus der Region mit dem Aufbau einer eignen Armee begann. Anfang Juli 1968 bestellte die Regierung des Stadtstaates neben gebrauchten Hunters für drei Millionen Pfund auch 16 Strikemaster Mk 84. Deren Lieferung begann im Sommer 1969 (Erstflug 2. August).

Kurz vor Weihnachten 1969 flog dann auch die erste Mk 83 für Kuwait. Alle vier zunächst gekauften Maschinen starteten am 2. Juni 1971 zu ihrem Überführungsflug. Zusammen mit einer Nachbestellung wurden insgesamt zwölf Strikemaster geliefert. In Afrika entschied sich derweil die ehemalige britische Kolonie Kenia für die Strikemaster. Sechs Mk 87 wurden ab dem Sommer 1970 geliefert. Jahre später kamen noch gebrauchte Maschinen aus Kuwait dazu. 1988 gab Kenia dann einen Teil seiner Flugzeuge an Botswana ab.

Letzte Exemplare an Ecuador

Einen wichtigen Erfolg feierte BAC in Neuseeland. Das Land erhielt ab 1972 zehn Mk 88, die bei der No. 14 Squadron im Einsatz waren. Sechs weitere wurden im Frühjahr 1974 bestellt. 1971, 1973 und 1974 kaufte auch noch Ecuador 16 Strikemaster Mk 89. Bis September 1976 bilanzierte die British Aircraft Corporation Aufträge für 55 Millionen Pfund – ein erkleckliches Exportgeschäft für einen Jet, dessen Grundkonstruktion nun schon mehr als 20 Jahre alt war.

Inzwischen waren mit der Hawk, dem Alpha Jet und der MB.339 erheblich leistungsstärkere Trainer auf den Markt gekommen, die natürlich genauso bewaffnet werden konnten. British Aerospace (Fusion von BAC, Hawker Siddeley Aviation, Hawker Siddeley Dynamics und Scottish Aviation) hatte daher Mühe, zehn auf Verdacht gebaute Zellen loszuwerden. Diese wurden ab 1980 in Hurn montiert und ausgerüstet, wo nach dem Auslaufen der BAC 1-11 Kapazitäten frei waren.

Eine Verkaufstour in Afrika brachte zunächst keinen Erfolg, aber schließlich wollte der Sudan alle Maschinen abnehmen. Drei Strikemaster Mk 90 wurden Ende 1983 auch geliefert, bevor ein Waffenembargo zum Tragen kam. Eines der restlichen Flugzeuge konnte man an den Oman losschlagen, während Ecuador 1986 sechs bestellte. Die letzten drei dieser Strikemaster wurden im Oktober 1988 übergeben. Sie waren noch 1995 beim sogenannten Cenepa-Krieg gegen Peru im Einsatz und wurden erst Anfang 2010 außer Dienst gestellt.

Technische Daten

BAC 167 Strikemaster Mk 88

Hersteller: British Aircraft Corporation, Warton
Besatzung: 2
Triebwerk: Rolls-Royce (Bristol) Viper Mk 535
Schub: 15,2 kN
Länge: 10,27 m
Höhe: 3,34 m
Spannweite (mit Tanks): 11,23 m
Flügelfläche: 19,85 m2
Einsatzleermasse: 2810 kg
Waffenzuladung: 1360 kg
Kraftstoff: 1225 – 1665 l
Abflugmasse: 4810 – 5215 kg
Höchstgeschwindigkeit: 775 km/h
Steigrate: 26,6 m/s
Dienstgipfelhöhe: 12 200 m
Startstrecke, mit Waffenzuladung: 1065 m
Einsatzradius: 400 – 925 km
Reichweite: 2225 km

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 08/2015

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