08.03.2017
Erschienen in: 08/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Der Jet-Dinosaurier (Teil 2) Der Jet-Antrieb bringt die Wende

boeing-yb-52

Die Boeing YB-52 startete am 15. April 1952 zu ihrem Jungfernflug. Foto und Copyright: Boeing  

 

Ihr Ansprechpartner, Oberst Henry Warden vom Air Materiel Command, lehnte den Turboprop-Entwurf aber ab, in der Überzeugung, dass der Jetantrieb doch der richtige Weg sei. 72 hektische und arbeitsin-tensive Stunden später zauberten die Konstrukteure einen Entwurf mit acht J57-Triebwerken von Pratt & Whitney aus dem Hut. Dabei bauten sie auf ihren Erfahrungen mit der B-47 auf und modifizierten eine Studie für einen neuen Mittelstreckenbomber. Die 464-49 war geboren. Die Techniker improvisierten sogar ein Modell aus Balsaholz, das heute noch in den Boeing Historical Archives erhalten ist.

Allerdings akzeptierte die USAF erst im Januar 1949 offiziell das neue Design, das schon sehr der heutigen B-52 ähnelte. Da die projektierte Reichweite von 4995 Kilometern weit unter ihrer Forderung lag, musste Boeing nachlegen. Im November 1949 entstand das etwas schwerere Modell 464-67. Vor dem Hintergrund des Koreakriegs, der mittlerweile in vollem Gang war, kam General LeMay wieder zum Zug. Aufgrund seines Einwirkens entschied sich das Strategic Air Command endlich definitiv für die B-52 und vergab am 14. Februar 1951 einen Produktionsauftrag über 13 B-52A mit einem sehr optimistischen Auslieferungstermin: April 1952. Damit war die Serienproduktion des Schwergewichts schon beschlossene Sache, bevor überhaupt ein Prototyp flog.

Aus technischer Sicht hatten die Konstrukteure ihre Aufgaben bereits gelöst. Die um 35 Grad gepfeilten Tragflügel mussten bei einer Fläche von 317,6 Quadratmetern leicht, aber stabil sein. In Tests bog man sie um knapp zehn Meter, ohne dass sie brachen. Auch die aus je zwei Segmenten bestehenden Fowler-Klappen wiesen gigantische Ausmaße auf. Zusammen hatten sie eine Fläche von 74 Quadratmetern und waren mehr als viermal so groß wie die gesamte Flügelfläche eines Lockheed Starfighters. Das ungewöhnliche Fahrwerk besteht aus vier Hauptfahrwerken mit Stützrädern an den Flügeln. Die Räder waren um 20 Grad in Flugrichtung verstellbar, um Starts und Landungen bei Seitenwind zu erleichtern. Anfangs hielt man diese Anordnung so geheim, dass man sie sogar aus Pressefotos wegretuschierte. Keinen Hehl machte die US Air Force später dagegen aus der Reichweite ihres neuen Flugzeugs. Mit zwei Zusatztanks unter den Flügeln betrug die Treibstoffkapazität 182514 Liter. In Verbindung mit der Luftbetankung war damit das Thema mangelnde Reichweite vom Tisch.


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