16.03.2017
Erschienen in: 02/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Reiseflugzeug (Teil 2) Geheimdienst-Einsätze über Afrika und Vietnam

kl 02-2013 Dornier Do 28 (03)

Die Serienfertigung der Do 28 in Oberpfaffenhofen. Nach dem Bau von 120 Flugzeugen entwickelte Dornier die Do 28 zur wesentlich geräumigeren Version „Skyservant“ weiter. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Israel setzte mindestens sechs Do 28 B-1, die als „Agur“ (Kranich) bezeichnet wurden, als Beobachtungsflugzeuge auch über See ein, außerdem als fliegende Funkrelaisstation, als Fotoaufklärer und als VIP-Transporter. Auch die israelische Polizei soll zeitweise eine Do 28 betrieben haben, die aber später an die dortige Luftwaffe abgegeben wurde. Die weiteren militärischen Betreiber waren Nigeria mit mindestens vier Flugzeugen, Spanien, das seine einzige Do 28 A-1 als U.14 bezeichnete, die Türkei mit mindestens fünf Do 28 B-1 und B-2 bei Luftwaffe und Heeresfliegern, Sambia und Somalia. Zu den ungewöhnlicheren Nutzern der Do 28 gehörte eine Rebelleneinheit in der Provinz Katanga des Kongo. Bis zu fünf Do 28 A sollen hier von Oktober 1961 bis 1963 eingesetzt worden sein. Aus dem Kreis der behördlichen Betreiber ist die französische Zollverwaltung zu nennen, die bis Mitte der 70er Jahre vier Do 28 B-1, vor allem zur Küsten-überwachung, im Westen Frankreichs einsetzte.

Der exotischste Kunde war jedoch die legendäre Air America. Diese scheinbar zivile Fluggesellschaft war eine Tarnorganisation des amerikanischen Geheimdienstes CIA und bestand von 1946 bis 1976. Air America wurde auch im Umfeld des Vietnamkrieges mit waghalsigen Versorgungsflügen von Thailand nach Laos aktiv. Hierbei kam, laut einer Zusammenstellung des amerikanischen Historikers Dr. Joe F. Leeker, ab Januar 1962 die Dornier Do 28 A zum Einsatz, was das Flugzeug als (unbewaffneten) „Warbird“ qualifizieren dürfte. Dabei sollen Passagiere und Fracht zu entlegenen Außenposten im Kriegsgebiet transportiert worden sein. Auch Fallschirmabwürfe über Laos sind verzeichnet.

Das erste Flugzeug der Air America (N4224G, später XW-PBJ, Dornier-Seriennummer 3021) überstand mehrere Bruchlandungen und größere Beschädigungen. Dazu sollen auch schwere Splitterschäden nach einer Munitionsexplosion auf  dem Militärflugplatz Vientiane am 24. Januar 1965 gehört haben. Danach soll das Flugzeug noch bis Ende der 60er Jahre eingesetzt worden sein.

Das zweite Flugzeug (N4225G, später XW-PBU, Seriennummer 3029) soll im März 1962 seinen Dienst aufgenommen haben. Ein Foto von 1962 zeigt die Dornier mit einer ungewöhnlich modifizierten, bis auf ein Bullauge verschlossenen Tür des Passagierraums. Dabei könnte es sich, laut Joe Leeker, um eine Behelfspanzerung gehandelt haben. Diese Do 28 A soll am 16. Juli 1963 nach Ausfall des linken Triebwerks beim Start vom laotischen Flugfeld Long Tien in den Urwald gestürzt sein. Obwohl alle Türen versperrt waren, konnten sich die Insassen retten – durch das hintere Kabinendach. Danach sei nur noch das Seitenruder brauchbar gewesen. Die Reparatur dieses Flugzeuges habe fast ein Jahr gedauert und 35 000 Dollar gekostet. Im November 1967 stürzte es nach einem Start in Vietnam in ein Reisfeld und wurde erneut schwer beschädigt. Wartungsvermerke über Motorenwechsel aus den 70er Jahren deuten darauf hin, dass diese Do aber auch danach noch geflogen sein dürfte.

Die dritte Air-America-Do-28 mit Indochina-Vergangenheit war die ab Sommer 1964 eingesetzte „4222G“ (angeblich ohne N), Seriennummer 3026. Ein Foto zeigt sie im Flug über Laos. Sie soll bis Ende der 60er Jahre im Einsatz gewesen sein.

Als ehemaliges deutsches Passagierflugzeug stieß die gebrauchte Do 28 A-1, D-IBAG, von Air Lloyd und Deutsche Taxiflug, Mannheim, im März 1963 zu der exotischen Fliegerstaffel in Asien. Das Flugzeug, Seriennummer 3011, war nun als N2001F registriert. Seine Schadens- und Reparaturgeschichte umfasst Rollunfälle, Start- und Landeunfälle, einen Passagier, der am Boden in einen laufenden Propeller geriet, die Kollision mit einem Lkw und Splitterschäden, die angeblich am Boden im vietnamesischen Danang entstanden.

Ebenfalls aus Deutschland stammte die D-IBRR des Bertelsmann-Verlags. Sie war zuvor gebraucht an die kalifornische International Aviation Development Corp. verkauft worden. Die Do 28 A-1 mit der Werknummer 3027 gelangte von Kalifornien zur Air America, wo sie ab November als N2002F eingesetzt wurde. Dieses Flugzeug kollidierte am 31. Dezember 1964 im südvietnamesischen Sóc Trong mit einem landenden UH-1-Hubschrauber der US Army. Trotz buchstäblich zerhackter Flügel und Rotorblätter gelang beiden Luftfahrzeugen eine Notlandung. Die Do wurde für 50000 Dollar repariert und war ab November 1965 wieder im Einsatz. Erst 1971 wurde sie ausgemustert, zum Weiterverkauf angeboten, 1973 von Okinawa Airlines erworben und schließlich an die Pacific Missionary Aviation verkauft.

Als letzte Do 28 in Indochina sei schließlich noch die französische F-OYBR, Seriennummer 3028, genannt. Hier ist strittig, ob das Flugzeug der vietnamesischen Niederlassung des Reifenherstellers Michelin oder einem anderen Unternehmen gehörte. Teilweise wird es auch Air America zugeschrieben, in deren Inventarlisten es aber nicht auftaucht.


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Sebastian Steinke


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