03.05.2017
Erschienen in: 04/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Das größte Transportflugzeug seiner Zeit (Teil 2) Roll-out im Juli 1945

kl 04-2011 C-74 Globemaster (02)

Für das Roll-out benötigte die Globemaster eine Rampe – sonst hätte das Leitwerk nicht durchs Hallentor gepasst. Foto und Copyright: Boeing  

 

Ursprünglich sollte die erste Maschine im Dezember 1943 an das US-Militär übergeben werden, doch die erwähnte Umkonstruktion, die späte Verfügbarkeit des R-4360 und ganz generell ein Personalmangel bei Douglas, der zur Konzentration auf wichtigere Produktionsprogramme wie C-47 oder A-20 Havoc zwang, führte zu deutlichen Verzögerungen. So begann der Bau der ersten Maschine erst nach dem Umzug der Konstruktionsmannschaft im März 1944 nach Long Beach. Dort wurden große Vorrichtungen wie das 50 Tonnen schwere Gerüst für den Mittelflügel oder die großen Gerüste für den Rumpf mit seinem Durchmesser von 4,5 Metern gebaut.

Die erste C-74 mit der USAAF-Kennung 42-65402 hatte schließlich im Juli 1945 ihr Roll-out. Am 5. September starteten dann Ben O´Howard und sein Co Johnny Martin sowie die Testingenieure Jack Grant und Chris Nielson von Long Beach aus zum Jungfernflug, der eine Stunde und 35 Minuten dauerte. Das Handling des damals größten Landflugzeugs der Welt wurde von ihnen gleich als „gewohnt einfach“ eingestuft.

Drei Tage zuvor hatte Japan kapituliert, und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die rapide Verkleinerung der US-Streitkräfte inklusive der Stornierung zahlreicher Aufträge. Auch die Bestellung für die C-74 wurde von 50 auf nur noch 14 Flugzeuge reduziert, wobei man eine Zelle für Bruchversuche verwendete. Dessen ungeachtet lief bei Douglas in Long Beach (damals ein Army Airfield) sowie in Muroc (heute Edwards AFB) die Erprobung des neuen Transporters. Überladeversuche wiesen dabei zum Beispiel die Möglichkeit nach, mit einer Masse von bis zu 78020 Kilogramm zu starten.

Trotz der guten Eigenschaften hatten die Ingenieure gegen Ende der Erprobung noch einen großen Schreck zu überstehen. Bei einem Bahnneigungsflug bis an die Maximalgeschwindigkeit von 598 km/h und anschließendem Abfangen mit einem Lastvielfachen von zwei g brachen am 5. August 1946 über der Pazifikküste beide Außenflügel ab. Die Besatzung konnte sich mit den Fallschirmen retten, während das Flugzeug am Ortsrand von Torrance abstürzte. Später stellte sich heraus, dass die Stoffbespannung des Höhenruders sich bei hoher Geschwindigkeit aufblähte und so die Strömung zu den Hilfsklappen störte. Ergebnis waren brutale Schwingungen, die schnell zum Strukturversagen führten. Eine Verdoppelung der Rippen an allen stoffbespannten Steuerflächen sorgte für Abhilfe.

Der Unfall hielt die Lieferung der C-74 nicht weiter auf. Nachdem die Continental Division des Air Transport Command am 9. September 1946 die C-74-Staffel als Teil des 554th Base Unit in Memphis, Tennessee, aktiviert hatte, holte Oberst George S. Cassady am 19. September die erste Globemaster in Long Beach ab. Eine Woche später wurde die Maschine (42-65406) in der Hauptstadt Washington vorgeführt.

Bereits im Oktober 1946 musste die C-74-Staffel mit ihrem bisher einzigen Flugzeug von Memphis nach Morrison Field (West Palm Beach, Florida) umziehen. Dort traf die zweite Maschine (42-65411) im Januar 1947 ein. Oberst Cassady konferierte derweil mit der Führung des Air Transport Command über die Einsatzaufgaben des neuen Großtransporters. Erste Mission war daraufhin die Versorgung der Truppen in Panama mit zwei planmäßigen Flügen pro Woche. Im Februar 1947 wurden zudem 14 Tonnen Fracht nach Morrison Field in Puerto Rico geflogen – laut Army die bis dahin größte Luftfrachtmenge bei einem einzelnen Flug.

Am 14. März 1947 wurde die C-74-Einheit in zwei Air Transport Squadrons aufgeteilt. Die 21st und 22nd ATS (später 31st und 32nd ATS) gehörten zur 3rd Air Transport Group. Diese wurde schon bald schrittweise von Morrison Field nach Brooklyn Field bei Mobile in Alabama verlegt. Derweil flog eine C-74 Mitte Mai nach Churchill bei Manitoba in Kanada, um die Eignung zum Einsatz bei arktischen Bedingungen nachzuweisen.


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Johann-Wilhelm Schwarze


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