23.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Leichter Kampfjet (Teil 5) US Marine Corps bleibt bei Skyhawk

Die erste TA-4J flog am 17. Dezember 1968, die Lieferungen begannen Mitte 1969. Nach der Ausbildungsstaffel VT-21 in Kingsville, Texas, wurden auch die VT-22 und VT-23 sowie die VT-24 und VT-25 in Chase Field mit dem neuen Doppelsitzer ausgestattet. Die Navy erhielt 281 Flugzeuge. Später rüstete man auch viele TA-4F auf den neuen Standard um.

Durch den Einsatz in Vietnam erhielten die A-4 immer neue Zusatzausstattungen, insbesondere um den Schutz gegen Flugabwehrraketen zu verbessern. Die noch bei Reserveverbänden genutzten A-4C entsprachen somit längst nicht mehr dem aktuellen Stand und waren daher nur eingeschränkt nutzbar. Die Navy gab daher bei McDonnell Douglas ein Modifikationsprogramm in Auftrag. Die Zelle mit nur drei Waffenstationen und dem J65-Triebwerk ließen die Ingenieure weitgehend unverändert und brachten die zusätzliche Avionik im inzwischen bekannten Buckel unter. Nach der Erprobung eines Prototyps, der am 21. August 1969 zum Jungfernflug abhob, wurden ab Dezember 99 Flugzeuge bei den Naval Aviation Repair Facilities umgebaut. Derweil arbeitete McDonnell Douglas an der A-4M, einer neuen Version speziell für das US Marine Corps. Weil die Marines nicht an der A-7 Corsair II interessiert waren, benötigten sie weitere Skyhawks – zumindest, bis die recht riskante Beschaffung des britischen Senkrechtstartes AV-8A Harrier bewerkstelligt  war.

Ein gewichtiges Argument für die Weiterentwicklung der A-4 war die Verfügbarkeit des J52-P-408-Triebwerks, das bei gleicher Trockenmasse und fast unverändertem spezifischen Verbrauch 20 Prozent mehr Schub lieferte. So konnten die Startstrecken verringert werden, während ein Bremsschirm auch die Landestrecken verkürzte, um den Einsatz von kleinen Plätzen aus zu erleichtern. Die Cockpithaube wurde vergrößert, und auch bei der Avionik gab es diverse Änderungen.

Das A-4M-Programm wurde im Mai 1969 gestartet. Erstflug war am 10. April 1970 in Palmdale mit Walt Smith im Cockpit. Die VMA-234 erhielt als erste Staffel ihre A-4M ab Februar 1971. Die Produktion der „Skyhawk II“ lief schon 1972 aus, wurde aber 1975 wieder aufgenommen, da die Unfallrate der AV-8A doch extrem hoch war. Bei den neuen Flugzeugen gab es weitere Verbesserungen der Ausrüstung wie einen Lasertracker, ein besseres Head-up-Display und bessere Systeme für den Selbstschutz. Ein verstärktes Fahrwerk erlaubte Startmassen bis 11565 Kilogramm.

Die Marines erhielten schließlich 160 A-4M, wobei die letzte auch gleichzeitig die letzte je gebaute Skyhawk war. Sie wurde bei einer Feier am 27. Februar 1979 übergeben, fast 25 Jahre nach dem Erstflug der XA4D. Zu diesem Zeitpunkt hielt die A-4 den Rekord für die längste Produktionszeit eines Kampfjets.

Als letzte Skyhawk-Version für die US-Streitkräfte entstand die für die Forward-Air-Control-Mission gedachte OA-4M. Dabei handelte es sich allerdings um modernisierte TA-4F, die unter anderem neue Funkgeräte erhielten. Die erste von 23 Maschinen wurde im Juli 1978 in Patuxent River getestet.

Bis zur endgültigen Ausmusterung bei den US-Streitkräften sollte noch einmal ein Vierteljahrhundert vergehen, denn die Skyhawk erwies sich als flexible Plattform für diverse Unterstützungsaufgaben. So rüstete man ab 1970 vier TA-4F mit Elektronikbehältern aus. Als EA-4F flogen sie Störmissionen, um für das Training gegnerische Flugzeuge oder Marschflugkörper zu simulieren. Auch Düppelkorridore konnten die Maschinen legen. Normale A-4 dienten mit dem TDU-34ABehälter auch als Zielschleppflugzeuge.

Bekannt wurde die A-4 zudem in ihrer Rolle als Luftkampfgegner im „Top-Gun“-Training. Erste „Adversary“-Squadron bei der im März 1969 aufgestellten Naval Fighter Weapons School wurde die VF-126. Später kamen Staffeln wie VA-43 und VA-45 hinzu. Bei den Marines flogen MALS-24 (Kaneohe Bay, Hawaii) und MALS-32 (Beaufort, South Carolina) die TA-4F/J in der „Adversary“-Rolle.

Die Skyhawk-Einsitzer der Navy flogen bis Mitte 1993. Bei den Marines ging die A-4M im Juni 1994 bei der VMA-131 in den Ruhestand. Die letzte TA-4J der US Navy, die bei der VC-8 in Roosevelt Roads, Puerto Rico, im Einsatz stand, wurde schließlich am 3. Mai 2003 zur Einlagerung auf der Davis-Monthan AFB in Arizona überführt. Auch dieses Datum markiert aber längst nicht das Ende für die Skyhawk, denn bei einigen Exportkunden steht der kleine Kämpfer immer noch im Dienst.


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