07.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Das berühmteste Flugboot seiner ZeitDornier Wal

Der Dornier Wal schrieb Luftfahrtgeschichte. Keine andere Konstruktion hat die Flugbootentwicklung in den 1920er Jahren so geprägt wie dieses weltberühmte Wasserflugzeug. Mit dem Wal begann Dorniers industrieller Aufstieg.

Claude Dornier formulierte die Bedeutung des Wals für sein Unternehmen einmal so: „Der Wal hat die Firma Dornier von einer kleinen Versuchsfirma zu einem international bekannten Unternehmen gemacht.“ Dabei war der Wal nicht nur eine ausgezeichnete Konstruktion. Seine Entstehung zeugt auch von unternehmerischem Wagemut. Die Vision Dorniers und seiner Mitarbeiter von einem leistungsfähigen zweimotorigen Wasserflugzeug war eigentlich unter dem Diktat der Versailler Verträge nicht umsetzbar. Nach zwischenzeitlich komplettem Verbot war ab Mai 1922 zwar ein ziviler Flugzeugbau wieder möglich, aber die sogenannten Begriffsbestimmungen schränkten die Möglichkeiten sehr ein. Ein deutsches Flugzeug durfte demnach nicht schneller als 170 km/h und nicht weiter als 300 Kilometer fliegen können. Außerdem war die Nutzlast auf 600 kg beschränkt.

Wie Heinkel, Junkers und andere Köpfe der Luftfahrtbranche suchte auch Claude Dornier nach Möglichkeiten, die Einschränkungen durch eine Ansiedlung im Ausland zu umgehen. Schon 1921 hatte er in Rohrschach auf der Schweizer Uferseite des Bodensees das leichte, zweisitzige Flugboot Libelle montiert, doch für den Aufbau der Produktion eines großen Flugbootes, wie es bereits auf Dorniers Zeichenbrettern entstand, reichte der Holzschuppen in Rohrschach natürlich nicht.

Ein italienischer Offizier der alliierten Kontrollkommission soll Dornier auf eine stillgelegte Werft im kleinen Hafenörtchen Marina di Pisa an der Arnomündung bei Pisa aufmerksam gemacht haben. Sie schien für den Aufbau eines Flugzeugwerkes gut geeignet. Ein Ergebnis der Kaufverhandlungen war die Gründung der deutsch-italienischen CMASA (Constructioni Meccaniche Aeronautiche Societa Anonima), die als Tochtergesellschaft des Zeppelinkonzerns arbeitete. Als im Frühjahr 1922 die ersten Mitarbeiter des Stammpersonals aus Deutschland in das neue Werk eingezogen waren, stand die neue Gesellschaft finanziell noch auf wackeligen Beinen. Was fehlte, waren Aufträge für das neue Flugboot, das auf den Reißbrettern fast durchkonstruiert war, und als Dornier Wal weltberühmt werden sollte.

Ein erster Auftrag aus Spanien entspannte die Lage. Die spanische Heeresleitung zeigte sich sehr interessiert an dem neuen Flugboot in modernster Metallbauweise, das auch beim Betrieb unter ungünstigen klimatischen Bedingung Langlebigkeit versprach. Ohne mehr als die Zeichnungen und rechnerischen Leistungswerte gesehen zu haben, bestellte die spanische Regierung sechs Dornier Wal. Mit dem Auftrag war zugleich eine Vereinbarung über eine spätere Lizenzproduktion des Flugbootes bei der spanischen CASA verknüpft.


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