07.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Das berühmteste Flugboot seiner Zeit (Teil 2) Auftrag aus Spanien sicherte die Produktion

kl 05-2009 Dornier Wal (1) (jpg)

Der Dornier Wal, hier im Einsatz als Postflugboot auf dem Atlantik, war in den 20er und frühen 30er Jahren praktisch in allen Teilen der Welt zu finden. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

So konnte bei CMASA mit Hochdruck der Bau des Prototypen in Angriff genommen werden. Die grundsätzliche Auslegung des Wal hatte Dornier bereits Jahre zuvor entwickelt und mit den Flugbooten Gs I und Libelle erprobt. Kernelemente waren neben der Metallbauweise unter Verwendung des noch jungen Werkstoffes Duraluminium der über den Rumpf gesetzte Flügel mit dem modularen Tandemantrieb auf dessen Mittelteil und die von Claude Dornier patentierten Flossenstummel, an die wiederum die Flügelstreben ansetzten und einen großen Teil der Flügelkräfte in die Stummel einleiteten.

Der Rumpf baute über nicht weniger als 25 Spanten auf, über sie liefen Längsstringer, die besonders auf der Rumpfunterseite sehr eng gesetzt waren, um im Verbund mit der Beplankung den hohen Kräften bei Landungen im rauen Wellengang widerstehen zu können. Sechs Spanten hatte das Konstruktionsteam als wasserdichte Schotts ausgeführt und so den Rumpf wie bei einem Schiff in sieben geschlossene Segmente geteilt. Selbst wenn zwei Segmente durch ein Leck volllaufen sollten, blieb der Rumpf somit weiter schwimmfähig. Der Bootsboden besaß zwei Stufen, die es ermöglichten, dass das Flugzeug im Startlauf schnell ins widerstandsarme Gleiten auf dem Wasser kam, um die notwendige Abhebegeschwindigkeit zu erreichen. Dabei war der Bootsboden im vorderen Teil recht flach, hinter den Stufen aber stark gekimmt. Damit erreichten die Ingenieure eine hohe Richtungsstabilität im Wasser.

Wie der Rumpf entstand auch die Struktur des zweiholmigen Flügels in Metallbauweise. Bei der ersten Generation waren die Tragflächen noch teilweise stoffbespannt. Erst mit der späteren Verwendung stärkerer Motoren wurden sie komplett mit Aluminium beplankt. Die Motorenanordnung auf dem Flügel brachte gleichzeitig technische und wirtschaftliche Vorteile für die Fertigung. Aerodynamisch bewirkte die Tandemanordnung, dass bei Ausfall eines der beiden Motoren die Schub- beziehungsweise Zugachse gleich blieb. Es gab in diesem Fall kein Vertrimmen um die Hochachse. Dies entlastete den Piloten bei einem Motorausfall.

Andererseits ließ sich das Flügelmittelteil mit den Motoren als völlig separate Flugzeugkomponente getrennt von der sonstigen Zelle fertigen. Zudem war die Tandem-Motorengondel direkt über dem Schwerpunkt angeordnet. Dies ermöglichte, dass die Kunden ganz unterschiedliche Motoren wählen konnten, ohne dass es irgendwelche Schwerpunktsverschiebungen gab. So wurden zunächst für die spanischen Wale Hispano-Suiza-Motoren, später dann ganz nach jeweiligem Kundenwunsch auch Rolls-Royce Eagle, Liberty, Lorraine-Dietrich, BMW VI, Napier Lion, Gnome Jupiter und Isotta Asso montiert. Das Leistungsspektrum reichte dabei von 300 PS bis hin zu rund 700 PS.

Es leuchtet ein, dass bei diesen sehr unterschiedlichen Leistungsklassen eine Anpassung der Zellenstruktur notwendig war, die letztlich zu einer Vielzahl von Versionen des Dornier-Flugbootes bis hin zum sogenannten Zehn-Tonnen-Wal führten. In vielen Fällen waren die Kunden für den Kauf und die Anlieferung ihrer Motoren in Marina di Pisa verantwortlich. Dies entlastete erheblich die Vorfinanzierungskosten der Produktion bei CMASA. Die Antriebe gehören, das ist bis heute so, zu den teuersten Einzelposten im Flugzeugbau.

Am 6. November 1922 wurde der Prototyp des Dornier Wal von der Slipbahn der Werft zu seinem ersten Start ins Wasser gerollt – mittels Holzrädern, deren lange Achsen in die Flossenstummel des Rumpfes geschoben wurden. Das war zwar keine optisch elegante, aber höchst zweckmäßige Methode, um den Dornier Wal ins und aus dem Wasser heraus zu bringen. Später wurden sie als Standard mit jedem Wal mitgeliefert und bewährten sich überall, wo das Flugboot eingesetzt wurde.

Schon beim Erstflug zeigte der Dornier Wal so gute Flugeigenschaften, dass Werkspilot Niemeyer sofort danach einen zweiten längeren Flug absolvieren konnte. Das neue Flugboot erreichte für seine Zeit sehr ansprechende Flugleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 170 km/h angegeben, als maximale Flugmasse 5,5 Tonnen. Davon entfielen 864 kg (1200 Liter) auf Treibstoff. Allerdings zeigte sich, dass die von den Spaniern gewünschten, jeweils 300 PS starken Hispano-Suiza 42 nicht besonders zuverlässig waren.


WEITER ZU SEITE 3: Erste Wale entstanden in der Militärausführung

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     


Weitere interessante Inhalte
Dornier Do 27 Abschluss der Arbeiten naht

15.08.2017 - Am 13. August feierte das Team des Projekts "Save a Dornier" einen Meilenstein. Erstmals wurde der 6-Zylinder-Boxer wieder gezündet. Markus Rheinländer, Leiter des Projekts, war äußerst zufrieden mit … weiter

An der Kurzsichtigkeit des Militärs gescheitert Strategischer Bomber Dornier Do 19

15.08.2017 - Mit der Do 19 entwickelte Dornier in den 30er Jahren einen strategischen Bomber mit über 1600 Kilometern Reichweite. Dabei stand das neue Flugzeug in Konkurrenz zur Junkers Ju 89. Doch die Militärs … weiter

Stolze Sammlung mit vielen Exoten Museum der Griechischen Luftstreitkräfte in Dekeleia

07.08.2017 - Innerhalb relativ kurzer Zeit hat die Luftwaffe Griechenlands eine imposante Ausstellung aufgebaut. Auf der Suche nach neuen Exponaten führt das Museum immer wieder auch Tauchexpeditionen durch. … weiter

Sturzbomber Dornier Do 217

03.08.2017 - Auch wenn die Dornier Do 217 ihrer bekannteren, kleineren Schwester Do 17 äußerlich ähnelt, so handelt es sich doch um einen völlig neuen Entwurf. Er entstand 1938 auf Anforderung des … weiter

Nachfolger der Do 335 Dornier Projekte P 247/P 252

10.07.2017 - Der zweimotorige Hochleistungsjäger Dornier Do 335 war ein in jeder Beziehung außergewöhnliches Flugzeug. Seine Geschichte wäre unvollständig, würde man nicht die Vorgänger- und Nachfolgeprojekte … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2017

Klassiker der Luftfahrt
06/2017
01.06.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Messerschmitt Bf 109 E: Die Rückkehr des Sterns
Bell P-63 Kingcobra: So fliegt sich der seltene Jäger
Ernst Piech: Nachbau für Porsche-Enkel
Focke-Wulf: Entstehung der Condor