31.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Ein Höhepunkt in der Flugbootentwicklung (Teil 4) Einsätze auch als Nottransporter

kl 02-2009 Dornier Do 24 (2) (jpg)

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugboot zum Retter für tausende Piloten und Seemänner legendär. Die Stummelschwimmer erwiesen sich als ideale Bergungsplattform. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Während der Kämpfe gegen die Sowjetunion sicherten Do 24 zunächst Geleitzüge im Schwarzen Meer. Ab dem Frühjahr 1943, mit einsetzendem Tauwetter, wurde ein Seenotverband mit Do 24 und Ju-52-Schwimmerflugzeugen in Sewastopol und auf dem Ortaliesee stationiert, um Nachschub zum Kuban-Brückenkopf zu fliegen, der wegen des morastigen Bodens von Landflugzeugen nur noch sehr eingeschränkt zu bedienen war.

Beim Rückzug der deutschen Truppen mussten Do 24 auch Evakuierungsaufgaben übernehmen. Von der Krim, aus dem Mittelmeerraum und über die Ostsee vor den nach Ostpreußen vordringenden russischen Truppen holten sie ungezählte Soldaten und auch Zivilisten. Normalerweise konnten sie 24 Soldaten mit 30 kg Gepäck aufnehmen, doch häufig waren es mehr. Bei der Räumung der Krim soll die letzte abfliegende Do 24 nicht weniger als 40 Soldaten aufgenommen haben und außerdem, weil der dritte Motor zerschossen war, zweimotorig gestartet sein.

Bis Ende 1942 lieferten die niederländischen Werke 62 Do 24 T-1. Der Versuch, bei SNCAN (Société Nationale des Constructions Aéronautiqué du Nord) in Sartrouville schnell eine weitere Produktionslinie aufzuziehen, scheiterte weitgehend. Nur zwei Exemplare wurden wegen der zögerlich anlaufenden Fertigung bis zum Jahresende 1942 von dort geliefert.

Im Jahr 1943 erschien die verbesserte K-2-Version. Sie unterschied sich von der Vorgängerin im Grunde nur durch den Einbau einer neuen Funkanlage FuG 16 ZY für funknavigatorische Zielanflüge. Ihr Treibstoffsystem verteilte sich auf insgesamt 14 Tanks für die Aufnahme von 5300 Litern Flugbenzin. Zwei geschützte Behälter mit je 1000 Litern Inhalt befanden sich im Mittelflügel, die restlichen Tanks waren in den Stummelschwimmern untergebracht. Zelle und Motorisierung blieben gleich.

Aviolanda baute 1943 insgesamt 81 Do 24 T, SNCAN im gleichen und dem Folgejahr weitere 46 Stück. Mindestens 22 der in Frankreich gebauten Flugzeuge wurden nicht mehr abgeliefert. Nach dem Vordringen der Alliierten wurden diese Flugzeuge Anfang Dezember der neu aufgestellten französchen Transportflottilli 9 Ftr in Saint Mandrier zugeteilt. Nach dem Krieg in Escadrille 30 S umbenannt, flog diese Einheit die Do 24 T noch bis zum Januar 1952.

Auch Spanien hatte Interesse an dem hochseefähigen Flugboot. Noch 1944 wurden zwölf Exemplare dorthin geliefert. Wegen ihrer geänderten Ausrüstung erhielten diese Exportflugzeuge den Versionsnamen T-3. Es spricht für die enorme Qualität der Do 24, dass das letzte dieser Flugboote, in Spanien als HR-5 bezeichnet, noch bis 1969 vom mallorquinischen Hafen Polensa aus für Rettungs- und Patroullienflüge herangezogen wurde.

Noch während des Zweiten Weltkrieges versuchte Weserflug, die Do 24 weiter zu entwickeln. Die Do 318, der eine Grenzschichtabsaugung zu höheren Flugleistungen verhelfen sollte, blieb jedoch im Projektstadium stecken. Auch in der Nachkriegszeit war die Do 24 für Dornier nicht nicht völlig ad acta gelegt. Im Juli 1966 schlug Dornier die Entwicklung einer Do 24 A als Seenotrettungsflugzeug für die Bundesmarine vor. Das „A“ stand für Amphibium. Basis sollte die bewährte Do 24 sein, in deren Stützschwimmern und Rumpfbug Landfahrwerke integriert werden sollten. Als Antrieb waren zwei Pratt & Whitney R 1800 mit jeweils 2530 PS Startleistung vorgesehen. Ein Jahr später legte Dornier den Vorschlag für eine Do 324 vor, die wiederum dreimotorig ausgelegt war.

Insgesamt wurden fast 300 Do 24 gebaut. Noch drei Exemplare sind heute komplett erhalten. Keines davon ist flugfähig. Doch immerhin diente der Rumpf einer Do 24 aus spanischen Beständen, nachgerüstet mit einem Fahrwerk des Senkrechtstarters Do 31, als Basis für den Versuchsträger Do ATT, mit dem ab 1983 Technologien für ein modernes Amphibium getestet wurden. Heute fliegt Iren Dornier, der Enkel des Firmengründers, dieses Flugzeug und erinnert damit auch an die Do 24, die über lange Zeit wohl das Optimum im Flugbootbau darstellte.


WEITER ZU SEITE 5: Dornier Do 24 in Museen

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |     


Weitere interessante Inhalte
Über die Sinnlosigkeit, Flugzeuge wieder aufzubauen Verschrotten statt reparieren

01.10.2016 - Aus der Zeit nach der Übernahme der Funktion des Generalluftzeugmeisters seitens Erhard Milch (zwei Tage nach Ernst Udets Selbstmord) am 19. November 1941, sind zigtausende Seiten Protokolle und … weiter

Hochmodernes Museum Militärgeschichte im NMM Soesterberg

24.06.2016 - Im Dezember 2014 öffnete das Nationaal Militair Museum im niederländischen Soesterberg seine Pforten. Gleich in den ersten beiden Wochen kamen mehr als 50 000 Besucher. Sie wurden nicht enttäuscht. … weiter

Luft- und Raumfahrtmuseum Madrid Dornier Do 24 wartet auf Pflege

17.03.2015 - Abgeschottet von der Öffentlichkeit fristet derzeit die Dornier Do 24T-3 HD.5-2 beim Museo de Aeronautica y Astronautica in Madrid ihr Dasein. … weiter

National Militaire Museum Soesterberg 50000 Besucher in zwei Wochen

16.01.2015 - Das neue National Militaire Museum in Soesterberg hat einen fulminanten Start hingelegt. In den ersten beiden Wochen nach der Eröffnung erlebte es einen wahren Besucheransturm. … weiter

Erfolg für das Dornier Museum Friedrichshafen Besucherrekord bei den Do-Days

14.08.2014 - 50 Oldtimer-Flugzeuge und als Höhepunkt der Überflug eines Airbus A380 der Lufthansa ließen die fünfte Auflage der Do-Days zu einem vollen Erfolg für den Veranstalter werden. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 07/2017

Klassiker der Luftfahrt
07/2017
28.08.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Serie Motor: Junkers Jumo 213
Erste Flugbilder der perfekten Thunderbolt
Messerschmitt Me 309
Condor-Irrflug: Absturz über Irland
Gefechtsbericht: Angriff der Mistel