22.03.2017
Erschienen in: 07/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Exot im eigenen LandDie Dornier Do 215 bei der Luftwaffe

Die Dornier Do 215 war als Exportversion der Do 17 gedacht. Schweden hatte das Flugzeug mit DB-601-Motoren bestellt, erhielt die Flugzeuge aber aufgrund des Kriegsbeginns 1939 nicht. Stattdessen nutzte die Luftwaffe das Muster als Aufklärer. Zwei Exemplare der Do 215 wurden sogar an die Sowjetunion geliefert.

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Die internationalen Flugmeetings in den Zwischenkriegsjahren waren immer auch ein Leistungsvergleich des Stands der Luftfahrttechnik in den verschiedenen europäischen Ländern. Beim Internationalen Flugmeeting im Juli 1937 in Zürich siegte die Dornier Do 17 Z sehr spektakulär, da sie als Bomber selbst den französischen und englischen Jagdflugzeugen davongeflogen war. Verschiedene Luftstreitkräfte zeigten daraufhin Interesse am Kauf des zweimotorigen Flugzeugs, und Jugoslawien wollte das Muster in Lizenz bauen.

Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) genehmigte Dornier, eine Do 17 Z-0 auf den geplanten Exportstandard umzurüsten und  verschiedenen ausländischen Streitkräften vorzuführen. Es gab vor, dass dieses Muster als Do 215 angeboten werden sollte, obwohl es sich dabei eigentlich um eine Do 17 Z handelte. Der erste Prototyp, angetrieben von zwei Bramo-323-Fafnir-Neunzylinder-Sternmotoren, erhielt das zivile Kennzeichen D-AIIB und wurde als Do 215 V1 bezeichnet. Er flog 1938 zum ersten Mal. Allerdings stürzte er kurze Zeit später während der Erprobung ab.

Der zweite Prototyp, die Do 215 V2, erhielt ebenfalls ein ziviles Kennzeichen, D-AFFY, wurde aber mit anderen Motoren versehen. Dornier verwendete bei der V2 zwei 14-Zylinder-Doppelsternmotoren 14 N 1/2 des französischen Herstellers Gnôme et Rhône. Diese Variante wurde den jugoslawischen Luftstreitkräften demonstriert, stieß dort aber nicht auf Begeisterung, denn die Flugleistungen entsprachen nur denen der Do 17 K, die bereits von der staatlichen Luftfahrtfabrik in Jugoslawien in Lizenz gefertigt wurde.

Auch der dritte Prototyp, die Do 215 V3, wurde bei Dornier in Oberpfaffenhofen gebaut. Als Antrieb kamen bei ihm zwei Daimler-Benz-DB-601-Motoren mit je 1075 PS (802 kW) Startleistung zum Einsatz. Dies brachte dem Muster den gewünschten Leistungssprung. Erstflug der Do 215 V3 war im Frühjahr 1939.

Die schwedischen Luftstreitkräfte (Svenska Flygvapnet) zeigten ebenfalls großes Interesse an dem Flugzeug, denn kurz zuvor war ein Vertrag über die Lieferung von 18 französischen Bréguet-694-Bombern an die Flygvapnet geplatzt. Ihnen wurde die Do 215 V3 im Sommer 1939 vorgeflogen, was zu einer Bestellung von 18 Exemplaren dieses Typs führte. Auch die holländischen Luftstreitkräfte hatten die Absicht, 18 Exemplare der Do 215 zu kaufen. Sie hatten die Flugzeuge zwar bezahlt, zu einer Lieferung kam es aber wegen des Kriegsbeginns am 1. September 1939 nicht mehr.

Ende 1939, bereits nach dem Beginn des Feldzugs gegen Polen, begann Dornier in Neuaubing und Oberpfaffenhofen mit der Serienproduktion der 18 Do 215 für Schweden. Diese 18 Exemplare erhielten die Bezeichnung Do 215 A-1. Der in Schalenbauweise gefertigte Ganzmetall-Schulterdecker war – wie die Do 17 – 15,80 Meter lang und hatte eine Spannweite von 18 Metern. Auffallend an dem Flugzeug waren der lange, schlanke Rumpf und die großzügig verglaste Flugzeugführerkanzel. Die Do 215 wurde mit einer Besatzung von vier Mann geflogen: Pilot, Bombenschütze sowie zwei Bordschützen für die Defensivbewaffnung in Form von anfänglich vier, später sechs Maschinengewehren. Als Offensivbewaffnung konnte die Zweimot mit bis zu 1000 Kilogramm Bomben im Bombenschacht im Rumpfmittelteil beladen werden. Die Do 215 war – wie es seinerzeit üblich war – als Spornradflugzeug ausgelegt, wobei sowohl das Hauptfahrwerk als auch das Spornrad einziehbar waren. Die Tanks der Do 215 waren in den Tragflächen zwischen Rumpf und Motorgondeln integriert und konnten bis zu 2450 Liter Treibstoff aufnehmen. Damit erzielte das maximal 8800 Kilogramm wiegende Muster eine Überführungsreichweite von bis zu 2400 Kilometern.

Die erste Do 215 A-1 flog am 5. Dezember 1939 in Oberpfaffenhofen. Noch bevor das erste Flugzeug aus dem schwedischen Auftrag ausgeliefert werden konnte, schritt  das RLM ein und belegte den Bomber mit einem Exportverbot. Das neutrale Schweden stornierte den gesamten Auftrag allerdings erst im September 1940, nachdem es die Hoffnung aufgegeben hatte, doch noch eine Ausnahme von dem Exportverbot zu erhalten.


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Volker K. Thomalla


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