06.07.2016
Klassiker der Luftfahrt

Vom Atombomber zum AufklärerDassault Mirage IV

1959 startete die größte Mirage aller Zeiten zu ihrem Erstflug. Ursprünglich als Zwischenlösung gedacht leistete sie für mehr als vier Jahrzehnte wertvolle Dienste bei der Armée de l’Air.

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Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Konstrukteure bei Dassault hätten die Pläne der Mirage III lediglich maßstäblich vergrößert und einfach die Zahl der Triebwerke verdoppelt. Der Eindruck trügt nicht, denn damals drängte die Zeit. Die französische Regierung hatte bereits Mitte der 50er Jahre einen strategischen Nuklearwaffenträger für die neu zu gründende Abschreckungsstreitkräfte gefordert. In einer relativ schnellen Entwicklungsphase schufen die Ingenieure mit der Mirage IV einen zunächst als Übergangslösung geplanten zweisitzigen Überschallbomber, der sich gegen eine Weiterentwicklung der Vautor von Sud-Ouest durchsetzte. Die Gene des großen Deltaflüglers unverkennbar. Auch der Antrieb in Form des Snecma Atar 9 fand schon in der kleineren Version Anwendung. In der Fertigung kooperierte Dassault mit anderen Unternehmen. So steuerte Sud Aviation die Tragfläche und den hinteren Rumpf bei, während Breguet das Leitwerk übernahm.

Dassault-Cheftestpilot Roland Glavany konnte schließlich am 17. Juni 1959 in Melun-Villaroche mit dem Prototypen abheben. Beim 33. Flug erreichte die Mirage IV 01 eine Geschwindigkeit von Mach 2 und verdeutlichte die Leistungsfähigkeit des Musters. Nach der Firmenerprobung ging die Maschine an die Armée de l’Air zur Pilotenausbildung, wo sie nach insgesamt rund 400 Flugstunden am 13. Februar 1963 verunglückte. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Versuche mit den drei Vorserienmaschinen auf Hochtouren. Die erste flog bereits seit dem 12. Oktober 1961 und besaß das um vier Kilonewton stärkere Atar 9C. Auch die Abmessungen waren gewachsen: Die Mirage IV A war um 3,60 Meter länger und wies eine um 68 Zentimeter größere Spannweite auf. Hinter einem rundem Radar-Radom unter dem Mittelrumpf fand sich die halbversenkte Nuklearwaffe, die 60-Kilotonnen-Freifallbombe AN 22.


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Patrick Hoeveler


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