17.05.2017
Erschienen in: 03/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Century-Series (Teil 2) Ende der Karriere als Zieldrohne

kl 10-2015 Convair - F-106 (01)

Nach ihrer Karriere bei den aktiven USAF-Einheiten stieß die Delta Dart zur Nationalgarde. Bei der Florida Air National Guard flog sie von 1974 bis 1987. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Mit ihrer großen Flügelfläche und hohen Leistung konnte die F-106 laut Aussage ihrer Piloten bis zum Auftreten der neuen Jagdflugzeug-Generation jedes Flugzeug im US-Inventar schlagen. Im „Six Shooter“-Programm wurde die F-106 zudem mit einer 20-mm-Kanone General Electric M61A im Waffenschacht ausgerüstet. Die typische Flugkörperbewaffnung der „Six“ bestand aus je zwei radargelenkten AIM-4F und infrarotgelenkten AIM-4G Super Falcons sowie einer AIR-2A Genie mit Nuklearsprengkopf zur Bekämpfung größerer Bomberpulks.

Da die Zeit angesichts vertraglich vereinbarter Zwischenziele drängte, machten die Verantwortlichen keine Weihnachtspause: Die erste F-106A (56-0451) startete am 26. Dezember 1956 mit Richard Johnson am Steuer auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien zum Erstflug. Sie unterschied sich äußerlich nicht von der späteren Serienausführung, verfügte aber nicht über das Feuerleitsystem. Sie steht heute im Museum auf der Selfridge Air National Guard Base.

Der zweite Prototyp flog erstmals am 26. Februar 1957. Bei der Flugerprobung in Edwards, die bis Mitte 1959 dauerte und zwölf Flugzeuge umfasste, kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Dennoch musste Convair in einigen Bereichen nachbessern und änderte unter anderem die inneren Lufteinläufe und die Cockpitausstattung. Später wurde auch der Schleudersitz ausgetauscht. Aus finanziellen Gründen mussten die Militärs allerdings die geplante Beschaffung von 1000 Einheiten auf nur 340 Flugzeuge reduzieren. Daher ließ die USAF selbst die Erprobungsmaschinen auf den einheitlichen Standard der Einsatzmaschinen bringen. Convair produzierte auf dem Lindbergh Field in San Diego 277 F-106A und 63 Doppelsitzer F-106B. Die erste Maschine der Trainerversion startete am 9. April 1958 in Edwards zum Jungfernflug. Die F-106B verfügte über die gesamte Waffenanlage. Lediglich eine der vorderen Treibstoffzellen fiel weg. Die Produktion beider Versionen endete schon am 29. Dezember 1960.

Die erste operationelle Einheit der „Six“ waren im Mai 1959 die „Geiger Tigers“, die 498th Fighter Interceptor Squadron in Geiger Field bei Spokane, Washington. Am 30. Mai 1959 übernahm die 539th FIS auf der McGuire Air Force Base ihre ersten beiden Jets. Die Einheit konzentrierte sich jedoch zunächst auf Testaufgaben. Noch im selben Jahr erzielte eine F-106A einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord: Major Joe Rogers erreichte am 15. Dezember eine Geschwindigkeit von 2455,71 km/h. Wenig später machte eine weitere Delta Dart von sich reden, als sie automatisch von Palmdale nach Tyndall in Florida flog. Bis auf Start und Landung übernahm das MA-1-System die Steuerung. Der einzige Einsatz in Übersee erfolgte von 1968 bis 1970, als Kommandos verschiedener Staffeln angesichts von Spannungen in der Region nach Osan in Südkorea verlegten.

Im Lauf ihrer Einsatzzeit erwies sich die Delta Dart als zuverlässiges Flugzeug. Dennoch ging mit 112 Exemplaren rund ein Drittel der Flotte bei Unfällen verloren. Die F-106 flog bei 27 Staffeln der USAF und Air National Guard. Erst am 7. Juli 1988 wurde sie bei der 177th Fighter Interceptor Group der New Jersey ANG außer Dienst gestellt. Nachfolger waren die McDonnell Douglas F-15 Eagle und die Lockheed F-16A (ADF). 

Ende der 60er Jahre schlug Convair eine verbesserte Version der Delta Dart vor. Die F-106X sollte eine Alternative zur Lockheed YF-12A darstellen und verfügte über Entenflügel, ein neues Triebwerk sowie ein leistungsfähiges Doppler-Radar. Sie verblieb aber ebenso auf dem Reißbrett wie die etwas abgespeckte Variante F-106E/F oder eine für Japan gedachte Mehrzweckversion.

Mit der Außerdienststellung bei der Air National Guard waren die Tage der Delta Dart aber noch nicht endgültig gezählt. Im 1985 begonnenen „Pacer Six“-Programm rüstete Tracor Flight Systems im kalifornischen Mojave 200 Maschinen zu Drohnen um. Diese QF-106 waren in Tyndall, Florida, und Holloman, New Mexico, stationiert. Ab Anfang 1998 übernahm die  McDonnell Douglas QF-4 Phantom II diese Rolle. Außerdem flogen sieben Delta Darts im Zeitraum 1986 bis 1990 zur Unterstützung der Flugerprobung der Rockwell B-1B Lancer. Heute sind rund 30 Exemplare des „Cadillacs der Lüfte“ in Museen erhalten geblieben. Einige außer Dienst gestellte Drohnen wurden sogar im Golf von Mexiko versenkt, um dort als künstliche Riffe zu dienen.


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Patrick Hoeveler


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