08.10.2016
Erschienen in: 05/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Schnellste Unterschall-AirlinerConvair CV 880 und 990

Convair entwarf mit der CV 880 ein sehr schnelles Verkehrsflugzeug für transkontinentale Strecken. Der Typ war jedoch nicht ausgereift, so dass der Hersteller schon Verbesserungen einarbeiten musste, bevor der Jet zum Erstflug abhob. Mit dem Schwestermodell CV 990 entwickelte Convair schließlich den schnellsten Unterschall-Airliner aller Zeiten.

Die Consolidated Vultee Aircraft Corporation aus San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien war ein Flugzeughersteller, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Mustern Convair 240/340/440 im zivilen Markt erfolgreich war. Die Verfügbarkeit von zuverlässigen Strahltriebwerken führte bei den anderen großen Flugzeugherstellern wie Boeing, Douglas, de Havilland und der British Aircraft Corporation zum Entschluss, auch Verkehrsflugzeuge mit Düsenantrieb zu entwickeln. Marktstudien der Consolidated Vultee Aircraft Corporation, die ab April 1954 als Convair Division zum General-Dynamics-Konzern gehörte, zeigten einen klaren Bedarf für strahlgetriebene Verkehrsflugzeuge, den Convair mit einem eigenen Typ befriedigen wollte.

Die Convair-Verkäufer durften ab 1954 mit ersten Entwürfen bei potenziellen Kunden vorsprechen. Langwierige Diskussionen, unter anderem mit Howard Hughes, der ein neues Langstreckenflugzeug für seine Airline TWA suchte, führten schließlich zum Entwurf der Convair Skylark 600, eines schnellen vierstrahligen Verkehrsflugzeugs mit schmalem Rumpf und Platz für bis zu 123 Passagiere. Convair sah, dass mit der Boeing 707 und der Douglas DC-8 zwei Flugzeugmuster mit sehr ähnlichen Leistungen und Passagierkapazitäten angeboten wurden, und setzte deswegen bewusst auf Geschwindigkeit als herausragende Eigenschaft seines neuen Jets. Als Antrieb wählte Convair das Triebwerk CJ-805 von General Electric, eine zivile Version ohne Nachbrenner des Triebwerks, das in der McDonnell Douglas Phantom II zum Einsatz kam. Trotz einer angestrebten maximalen Abflugmasse von deutlich über 100 Tonnen sollte das neue Flugzeug in der Lage sein, von Pisten mit einer Länge von nur 1524 m (5000 ft) zu starten.

Die Verkaufsgespräche mit Delta Air Lines und Trans World Airlines (TWA) führten letztendlich zum Erfolg, und am 10. September 1956 wurden die ersten Bestellungen unterschrieben. Um die herausragendste Eigenschaft des Flugzeugs, seine Geschwindigkeit, auch im Marketing besser herausstellen zu können, wurde die Skylark bei der Bekanntgabe der ersten Aufträge umbenannt. Sie hieß nun Convair CV 880 Golden Arrow („Goldener Pfeil“). Die Zahl 880 wurde gewählt in Anspielung auf die Geschwindigkeit des Flugzeugs von 880 Fuß pro Sekunde.

Die Convair CV 880 war mit 39,42 m rund fünf Meter kürzer als die Boeing 707. Ihre Spannweite betrug 36,58 m, die Flügelpfeilung 35 °. Als Reichweite hatten die Ingenieure 4430 km errechnet, dies war deutlich weniger als bei der Boeing 707 und der Douglas DC-8.

Obwohl Rumpf und Flügel ganz konventionell in Metall-Schalenbauweise entstanden, wies die CV 880 doch einige technologische Eigenheiten auf, die Convair aus den Erfahrungen mit Militärflugzeugen in das zivile Programm einfließen ließ. Die Flügeltanks wurden zum Beispiel mit einer Methode abgedichtet, die Convair bei dem Fighter F-102 auch anwendete: Der Flügeltank wurde von innen mit Spezialklebeband versiegelt, anschließend kam das gesamte Bauteil in einen riesigen elektrischen Ofen, um die Versiegelung unter Hitze abzuschließen.

Ebenfalls von der F-102 wurde die Cockpitscheibenreinigung übernommen. Beide Flugzeugmuster, die F-102 und die CV 880, erhielten keine konventionellen Scheibenwischer. Stattdessen wurde heiße Zapfluft auf die Frontscheiben geblasen. Dies verhinderte, dass Regen und Eisansatz die Sicht beeinträchtigte.

Die Aluminiumbleche der CV 880 waren dicker als bei vergleichbaren Verkehrsflugzeugen, um die Zahl der Stringer zu reduzieren und gleichzeitig den Innenlärm in der Kabine zu reduzieren.

Am 9. September 1958 erhielt General Electric die zivile Zulassung für das CJ- 805-Triebwerk. Der Erstflug der Convair CV 880 fand am 27. Januar 1959 in San Diego statt. Der Vierstrahler startete auf dem Lindbergh Field und landete auf dem Marinefliegerstützpunkt North Island Naval Air Station auf der Halbinsel Coronado vor San Diego. Die Erstflugbesatzung bestand aus den Piloten Donald P. Germeraad und Philip M. Prophett sowie den Flugversuchsingenieuren R. R. Bloom, B. B. Gray, E. A. Davies und J. E. Moroney. Zu diesem Zeitpunkt hatte Convair 53 feste Bestellungen für das Muster im Auftragsbuch stehen.

Nach einer verhältnismäßig problemlosen Flugerprobung erhielt die CV 880 Anfang 1960 die Zulassung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA. Delta Air Lines aus Atlanta übernahm als erste Fluggesellschaft der Welt die CV 880. Beim Auslieferungsflug wurde die Convair CV 880 mit dem TWA und Japan Air Lines hatten ebenfalls die Covair CV 880 bestellt und betrieben. Donald P. Germeraad und B.B. Gray saßen am 27. 1.1959 beim Erstflug der CV 880 in San Diego im Cockpit von Ship One. Kennzeichen N8802E von San Diego nach Miami geflogen, und von dort nach Atlanta. Mit dem Flug von San Diego nach Miami unterbot der Jet den bisherigen Rekord für einen Transkontinentalflug von der Westan die Ostküste der Vereinigten Staaten um 27 Minuten.

Bereits vor dem Erstflug der CV 880 hatte Convair auf Druck der Fluggesellschaften Verbesserungen an der Konstruktion des Flugzeugs vorgenommen, die aber erst ab der Seriennummer 37 in die Produktion aufgenommen werden konnten. Convair wollte mit diesen Verbesserungen vor allem ausländische Fluggesellschaften als Kunden gewinnen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt sehr zurückhaltend zeigten. Die CV 880M genannte Version wies eine höhere Startmasse auf und hatte eine um 800 Kilometer höhere Reichweite dank eines größeren Tankvolumens. Deswegen musste sie ein neues, stärkeres Fahrwerk erhalten, was wiederum erhebliche Entwicklungskosten verursachte. Die CV 880M erhielt zudem vier Vorflügel an jeder Tragfläche, was die Anflug- und Landegeschwindigkeit reduzierte. Die erste CV 880M wurde am 11. August 1961 an die Swissair geliefert.


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Volker K. Thomalla


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