19.09.2016
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Herrscher aller ElementeConsolidated PBY Catalina - Auf allen Meeren zu Hause

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft: Mit mehr als 3800 gebauten Exemplaren gilt die Catalina als das erfolgreichste Flugboot und Amphibium aller Zeiten. Selbst die Sowjetunion fertigte das Muster in Lizenz.

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Viel Vertrauen in seinen Entwurf zeigte die Entscheidung von Konstrukteur Isaac Laddon, beim Erstflug seiner neuesten Kreation mit an Bord zu sein. Der im Februar 1935 in Buffalo, New York, fertiggestellte Prototyp des XP3Y-Flugboots konnte jedoch nicht auf dem Niagara zum Erstfl ug starten, da der Fluss zugefroren war. Daraufhin ließ Consolidated die Maschine kurzerhand per Eisenbahn zur Naval Air Station Anacostia, Washington D.C., transportieren. Am 28. März 1935 startete schließlich Bill Wheatley mit der XP3Y-1 zu deren Jungfernflug, natürlich mit Laddon als Passagier an Bord. Zu diesem Zeitpunkt ahnte der Ingenieur, der später auch maßgeblich an der B-24 Liberator beteiligt sein sollte nicht, dass die Maschine zum erfolgreichsten Wasserflugzeug aller Zeiten werden sollte.

Die Entwicklungsarbeiten hatten im Frühling 1933 begonnen, und schon am 28. Oktober 1933 bestellte die Navy einen Prototyp, der gegen die XP3D-1 von Douglas antreten sollte. Consolidated hatte dabei schon wertvolle Erfahrungen mit der P2Y Ranger gemacht, von der 55 Exemplare gebaut worden waren. Die Konstrukteure behielten deren Bootsrumpf bei, legten allerdings das Leitwerk einteilig an. Der Flügel war auf einem einzigen Pylon befestigt, unterstützt von je zwei kleineren Streben pro Seite. Die äußeren Schwimmer ließen sich im Flug nach oben klappen und bildeten so die Tragflächenenden. Als Antrieb dienten zwei R-1830-Motoren von Pratt & Whitney, deren heiße Abgase erstmals zur Enteisung der Tragfläche dienten.

Bereits am 29. Juni 1935 bestellte die Navy 60 Exemplare, die im neuen Werk in San Diego entstanden. Douglas ging aufgrund des höheren Stückpreises leer aus. Die Auslieferungen begannen im Oktober 1936 an die Patrouillenstaffel VP-11. Es folgten mehrere Versionen in recht überschaubaren Stückzahlen, die sich hauptsächlich durch verschiedene Ausführungen des Motors unterschieden.

Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sah die Zukunft der PBY nicht so rosig aus, da sich bereits modernere Muster in der Entwicklung befanden. Dies änderte sich am 20. Dezember 1939, als die US Navy den größten Auftrag seit vielen Jahren vergab: 200 PBY-5 sollten die Neutralität der USA mit ihren Langstrecken-Patrouillen schützen. Sie flogen ab Mai 1941 zunächst von Neufundland und Island aus. Beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor gingen die meisten Flugboote der sieben auf Hawaii stationierten Staffeln verloren.

Von da an lief die Produktion auf Hochtouren: Insgesamt verließen 3281 Exemplare die Fabriken in Montreal, New Orleans, Philadelphia, San Diego und Vancouver, davon waren 1428 Amphibienversionen. Schon im November 1939 hatte Consolidated die mit einem Einziehfahrwerk ausgestattete Variante erprobt.

Eine der Hauptaufgaben der im Atlantikraum eingesetzten Flugboote lag im Aufspüren und Bekämpfen von U-Booten mittels Wasserbomben oder zweier mitgeführter Torpedos. Allein von August 1942 bis Juli 1943 versenkte die US Navy 14 U-Boote. Auch die Royal Air Force benötigte dringend Überwachungsflugzeuge für Atlantikeinsätze und bestellte insgesamt 89 Exemplare, welche die Briten als „Catalina“ bezeichneten. Die US Navy übernahm den Namen später ebenfalls. Später folgten zahlreiche in Kanada gefertigte Einheiten. Am 26. Mai 1941 spürte eine britische Catalina das deutsche Schlachtschiff „Bismarck“ auf.

Zu den Nutzern während des Krieges zählten neben den USA und Großbritannien auch Australien, Kanada, Neuseeland, die Niederlande sowie Brasilien und Chile. Nach 1945 kamen zahlreiche weitere Länder hinzu, wie Argentinien, Dänemark, Dominikanische Republik, Ekuador, Indonesien, Israel, Japan, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nationalchina, Paraguay, Peru und Schweden.

Erst im Januar 1957 schickte die Navy ihre letzten Catalinas in den Ruhestand, die bis dahin noch bei Reserveeinheiten geflogen waren. Die US Air Force ersetzte ihre Flotte bis 1953 durch die Grumman Albatros.

Aufgrund seiner enormen Reichweite von bis zu 4800 Kilometern war das Flugboot auch für Sondereinsätze interessant. Eine zivile Version sollte eine Expedition für das American Museum of Natural History nach Neuguinea ermöglichen. Die Sowjetunion kaufte die „Guba“ getaufte Maschine jedoch kurzerhand, um den auf einem Polarfl ug verschollenen Flugpionier Sigismund Lewaneskij zu suchen. Die Aktion blieb allerdings ohne Erfolg. Die Sowjets hatten zuvor im Februar 1937 drei zivile Model 28-1 sowie eine Fertigungslizenz dieses Musters erworben. In Taganrog bei Rostow, heute Heimat von Berijew, entstanden rund 150 Exemplare der GST (Gidro Samoljot Transportnji = Wassertransportflugzeug). Sie flogen noch bis Mitte der 50er Jahre bei der sowjetischen Marine. Damit flog die Catalina als vielleicht einziges Muster auf beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“.


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Patrick Hoeveler


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