29.07.2016
Erschienen in: 01/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Restaurierter TrainerBücker Bestmann: gelungener Wiederaufbau

Übers Internet machen Matthias Schäfer und Manfred Steiner eine Bücker Bestmann ausfindig. Mit unermüdlichem Einsatz bringen die beiden Pfälzer den ehemaligen Trainer wieder in die Luft. Heute gehört ihnen ein Klassiker in Topzustand.

Wenn Matthias Schäfer und Manfred Steiner ihre D-EDEN am Segelfluggelände Quirnheimer Berg in der Pfalz aus der Halle bugsieren, steht ihnen die Begeisterung ins Gesicht geschrieben: „Die Leidenschaft für die Bücker ist ein gnadenloser Infekt!“ Die beiden Piloten besitzen eine der wenigen flugfähigen Bücker Bü 181 Bestmann. 1945 wurde ihr Flugzeug beim schwedischen Unternehmen Hägglund & Söner in Lizenz gebaut.

Schäfer und Steiner sind sich einig, dass der Ende der 1930er Jahre für die deutsche Luftwaffe entworfene Trainer Qualitäten bietet, die man selbst bei modernen Flugzeugen oft vergeblich sucht. So begnügt sich der 105 PS starke Hirth HM 500A1 der D-EDEN mit moderaten 20 Litern Sprit in der Stunde. Ein Lastvielfaches von 10,8 g soll die alte Dame aushalten und bei 420 km/h im Sturzflug noch immer nicht auseinanderfallen. Beachtenswert sind die Details, die den Alltag für den Piloten ein Stück komfortabler machen. Die beiden nach vorn öffnenden Flügeltüren lassen sich vom Panel aus verriegeln, die Sitze sind mit einer Hand in der Höhe verstellbar, für die Pedalverstellung gibt es eine solide Kurbel. Mit 310 Kilogramm Zuladung wäre die Bestmann heute eine der Klassenbesten.

Hinter diesem überaus klugen Konzept steht der schwedische Konstrukteur Anders J. Andersson, der die Bestmann vom Start weg als Schulflugzeug konzipiert hatte. Einfache Wartung, Wirtschaftlichkeit und exzellente Flugeigenschaften waren die Ziele seiner Entwicklung. Chefpilot Arthur Benitz startete im Februar 1939 zum Erstflug. Nach einer intensiven Erprobung löste das Flugzeug ab 1940/41 schließlich den Doppeldecker Bücker Jungmann als Standardtrainer der Luftwaffe ab.

Die Kapazitäten bei Bücker Flugzeugbau  in Rangsdorf reichten nicht aus, um den Bedarf des Militärs an Schulflugzeugen zu decken. Ab 1942 wurde die Bü 181 Bestmann deshalb auch bei Fokker im besetzten Holland gebaut. Bis Produktionsende im September 1944 entstanden in Amsterdam 718 Bestmann. Weitere Produktionsstätten folgten nach Kriegsende in der Tschechoslowakei und später auch in Ägypten.

Hägglund & Söner baute die Bestmann ebenfalls in Lizenz als Trainer für die schwedischen Luftstreitkräfte. Von 1943 bis 1945 verließen 125 Flugzeuge das Werk. Mehr als 3400 Bestmann sollen gebaut worden sein.

Gegen Kriegsende nutzten die Nationalsozialisten die Bestmann auch für Kampfeinsätze. Ehemalige Schulflugzeuge wurden umgerüstet, um Panzer und andere Bodenziele anzugreifen. Die Einsätze mit dem vergleichsweise schwach motorisierten Zweisitzer waren kaum mehr als ein Akt der Verzweiflung und endeten meist mit dem Verlust von Mensch und Material.

Für Anders J. Andersson war die Bücker seine letzte Konstruktion im Auftrag der Deutschen. Nach Kriegsbeginn kehrte er nach Schweden zurück. Aus der in Gemischtbauweise gefertigten Bestmann entwickelte er später das Ganzmetallflugzeug Saab 91 Safir.


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