21.06.2017
Klassiker der Luftfahrt

Testbericht aus dem Jahr 1967 (Teil 4) Testflug bei schlechtem Wetter

Segelflug Test SB-8 -09.jpg

Das „Gesicht“ der SB 8. Zwei Lüftungsschlitze sollten das Beschlagen der Cockpithaube verhindern. © Schmitt  

 

Nun wollte ich dieses interessante Flugzeug fliegen. Leider war das Wetter sehr schlecht, und ohne Aufwind steigt auch eine SB 8 nicht mehr. Bevor ich in das Flugzeug stieg, bockten wir den Rumpf auf, damit ich mir die Funktion der Fahrwerksmechanik ansehen konnte. Man sitzt sehr bequem in der SB 8. Die Rückenlehne ist über 6 Rasten verstellbar, die Pedale haben einen Verstellbereich von 15 cm. Da findet auch ein Zwei-Meter-Mann noch Platz. Nach einer genauen Einweisung wurde die große Haube geschlossen, und man schleppte mich auf 1000 m. Es zeigte sich schon im Schlepp, dass die SB 8 leicht zu fliegen ist. Sie liegt ruhig und stabil. Die Schleppkupplung ist vor dem Fahrwerk angebracht, man könnte es also während des Schlepps einziehen, aber ich wollte das erst im Freiflug machen, da ich den im Flug dafür erforderlichen Kraftaufwand noch nicht kannte und außerdem mit der rechten Hand hätte kurbeln müssen. Wie sich nach dem Ausklinken zeigte, lässt sich das Fahrwerk leicht einfahren.

Im Geradeaus- wie im Kreisflug liegt das Flugzeug außerordentlich ruhig und man merkt, daß die große Spannweite von 18 m dazu beiträgt. Nach langsamem Überziehen im Geradeausflug bis unter 50 km/h Fahrtmesseranzeige geht die SB 8 geradeaus mit der Schnauze nach unten. Eine Warnung durch Schütteln konnte ich auch nach weiteren Versuchen nicht wahrnehmen. Um wieder volle Ruderwirksamkeit zu haben, braucht man allerdings schon 65 km/h Anzeige, die jedoch dann wieder gut bis 55 km/h erhalten bleibt. Bei 20° Schräglage ist das Überziehverhalten (Anzeige etwa 55 km/h) ebenfalls harmlos, leider wird auch hier ein warnendes Schütteln im Leitwerk vermißt. Erstaunlich ist die Möglichkeit, im Kreisflug bei 20° Schräglage noch mit 60 bis 65 km/h einwandfrei kurbeln zu können. Das bedeutet, dass bei schwächster Thermik auch der letzte Bart noch sehr eng ausgeflogen werden kann, wenn schnellere Flugzeuge dem Absaufen ausgeliefert sind. Leider ist die Wendigkeit der SB 8 nicht so sehr groß. Bei 0° Klappenstellung und 85 km/h zeigte die Stoppuhr 4,5 bis 4,7 Sekunden von 45° zu 45°. Das ist bei einem so großen Flugzeug durchaus vertretbar. Da aber in der Thermik mit diesem Vogel sehr langsam geflogen werden kann, wäre es wünschenswert, diese Rollgeschwindigkeit auch zwischen 65 und 75 km/h noch zu erreichen. Aber hier dauert es merklich länger. So stoppte ich bei 75 km/h und 5° Klappenstellung 5,2 bis 5,5 Sekunden. Das ist sicher darauf zurückzuführen, dass bei Wölbklappenausschlag die Querruder etwas mit angestellt werden, also nicht mehr zu ihrer vollen Wirkung kommen. Die Knüppelkräfte liegen hierbei vergleichsweise etwas hoch und steigen bei wachsender Geschwindigkeit stärker als erwartet an. Dies gilt jedenfalls für die Querruder. Die fehlende Höhenrudertrimmung wird jedoch in keinem Falle vermißt. Technisch gut und einfach gelöst ist die Betätigung der Wölbklappen, deren Gängigkeit mit einer einstellbaren Bremse verändert werden kann. Durch Schwenken des Hebels nach unten wirkt die Bremse mit einer federbelasteten Kugel stufenlos weich. Bei Normalstellung des Hebels rastet die Kugel in Vertiefungen ein, die dann als Rasten wirken und so die Möglichkeit bieten, eine bestimmte der sieben zur Verfügung stehenden Wölbklappenstellungen exakt einzuhalten. Hierbei wird die Stellung 7 mit +12,5° wenig gebraucht, ebenso wie die Stellung 1 mit -12,5°.

Während die Ruderwirksamkeit des Höhenruders angenehm und gut ist, aber die Querruderwirkung etwas besser sein dürfte, würde ich mir auch eine noch bessere Seitenruderwirksamkeit wünschen, um die Wendigkeit der Maschine zu verbessern. Dass man dieses schöne Flugzeug nur sehr flach slippen kann, ist nach meiner Auffassung nicht so wichtig, da besonders seine Landeeigenschaften überdurchschnittlich gut sind. Auch im Schnellflug liegt das Flugzeug außerordentlich ruhig, jedoch merkt man hier, daß der Schnellflug nicht die Domäne der SB 8 ist. Dies wurde bei der Auslegung des Flugzeuges auch ausdrücklich in die Überlegungen mit einbezogen. Ab 130 km/h zeichnet sich eine deutliche Durchbiegung der Außenflügel nach unten ab. Die Torsionssteifigkeit dürfte etwas schwach sein. In geringer Höhe konnte ich mich mit flachen, aber engen Kreisen mit 65 km/h noch in einem Null-Schieber halten, was mit einem anderen Flugzeug kaum möglich wäre. Im geraden Landeanflug schwebte ich aus 100 m Höhe zur Landung an, das Fahrwerk ließ sich leicht ausfahren, der Anschlag ist deutlich hörbar. Die großen Bremsklappen sind gut regulierbar, und man kann bei 110 km/h etwa 9 bis 10 m/sek Sinken erzielen, bei 80 km/h etwa 6 m/sek. Schließlich kann man auch mit 65 km/h bei +10° Wölbklappenstellung anschweben und 3 m/sek Sinken erzeugen. Durch die große Haube ist die Sicht ausgezeichnet, auch beim Aufsetzen in Spornlage, was durch das hohe Fahrwerk möglich ist. Das große, ungefederte Rad nimmt den Landestoß gut auf, und die sehr gute Radbremse sorgt für kürzeste Rollwege. Bessere Landeeigenschaften dürften kaum noch zu erzielen sein.


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