03.04.2017
Klassiker der Luftfahrt

Historischer Flugbericht von 1963 (Teil 3) Zweifel an der Fahrwerkskonstruktion

BO 208 mit Walter Wolfrum

Walter Wolfrum testete den kleinen Zweisitzer für die Flug Revue. Sein Urteil über die BO 208 Junior fiel zwiespältig aus. Foto: KL-Dokumentation  

 

Für ein Schulflugzeug von extremer Wichtigkeit ist die Robustheit des Fahrwerks. Darin ist der Junior der Cub ohne Zweifel unterlegen. Wenn auch anerkannt werden muß, dass das Bugradfahrwerk der Testmaschine mit drei gleich großen Rädern in seiner konstruktiven Ein­fachheit überzeugt und ich auch in der Praxis einen guten Eindruck gewonnen habe - besonderes Lob verdienen die guten Federungseigenschaften -, so glaube ich kaum, dass das Fahrgestell in seinen jetzigen Abmessungen einem Anfänger-Schulbetrieb auf die Dauer gewachsen sein wird, abgesehen davon, dass ich persönlich einem Spornradfahrwerk bei vorwiegendem Betrieb auf Grasplätzen den Vorzug gebe. Offensichtlich inspiriert durch die bewährten Cessna-Fahrwerke, sind die beiden Räder des Hauptfahrwerks an je einer fe­dernden Rundhohlstrebe befestigt, während das Bugrad in konservativer Weise durch ein Teleskopfederbein abgestützt ist. Die Haupträder besitzen hydraulische Scheibenbremsen, die gleichmäßig angreifen, jedoch nur gemeinsam über einen Handhebel, der eine Park­Feststellung besitzt, betätigt werden können. Da das Bugrad aber mit dem Seitenruder gekuppelt ist und einen großen Einschlagwinkel besitzt, habe ich das Fehlen einer Ein­zelradbremsung bei diesem kleinen und leicht zu rollenden Flugzeug nicht vermißt. Bei der getesteten Maschine war lediglich zu beanstanden, dass von einem gewissen Bremsdruck an die Bremsen zu rupfen begannen.

Können die Benützer eines Schul- und Vereinsflugzeuges Komfort verlangen? Ich beantworte diese Frage eindeutig mit ja. Ein gewisses Mindestmaß an Bequemlichkeit darf auch bei dieser Flugzeuggattung heute erwartet werden! Hat die gute alte Cub in dieser Hinsicht schon nicht allzuviel geboten - immerhin ist sie Baujahr 1939/40 -, so muß leider vom Bölkow Junior gesagt werden, dass sein Flugkomfort sehr zu wünschen übrig läßt. Es ist mir unverständlich, wie das Herstellerwerk die Maschine in der von mir geflogenen Entwicklungsversion als Reiseflugzeug offeriert. Zugegeben sei, daß die Geräuschdämpfung in einer kleinen Ganzmetallmaschine schwieriger ist als in einem Holzflugzeug gleicher Größe; ich musste aber den Eindruck gewinnen, dass man sich um Schallisolierung noch sehr wenig gekümmert hat. Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft dieses interessanten Musters scheint mir eine zufriedenstellende Lösung des Geräuschproblems. Noch weniger einfach wird es sein, die Raum- und Sitzverhältnisse in diesem Flugzeug auf einen befriedigenden Nenner zu bringen.


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