03.05.2017
Klassiker der Luftfahrt

Boeing stach die Konkurrenz für PanAm eindrucksvoll aus (Teil 2) Luxuriöser Service für reiche Passagiere

Boeing 314_10 (jpg)

Diese Schnittzeichnung aus dem Jahre 1938 wurde in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht und gibt einen guten Überblick über die Raumaufteilung im Clipper. Foto und Copyright: Kl-Dokumentation  

 

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Obwohl die Clipper eine Kapazität für den Transport von 98 Passagieren und bis zu zwölf Besatzungsmitgliedern hatten, sollten im praktischen Einsatz („Schläfer-Konfiguration“ bei Nacht) höchstens 40 Fluggäste befördert werden; im „Tagesbetrieb“ waren es 56. Damit betonte Pan American den Luxusgedanken dieses Services, den sich ohnehin nur gut betuchte Passagiere leisten konnten. Nach Streckenerprobungen auf den für den Service vorgesehenen Flugrouten begann die erste Clipper am 20. Mai 1939 mit der regulären Postbeförderung über den Atlantik, und der Liniendienst mit Passagieren wurde am 28. Juni 1939 eröffnet.

Schon das Quartier für die Bereitschaftscrew von sechs Mann im Oberdeck mutete wie ein moderner Wohnraum an, und auch der 2,7 Meter breite und 6,4 Meter lange Kommandostand war mit weichen Sesseln und Teppichboden ausgestattet. Erst recht bot sich den Passagieren in den Kabinen ein Luxus an Materialien und Ausstattung, der alles bis dahin da gewesene in den Schatten stellte.

Die Besatzung bestand aus einem Wachoffizier, dem Ersten und Zweiten Piloten, einem Navigator, dem Funker und dem Bordingenieur. Für die drei letzteren flog eine Austauschcrew mit, und im Oberdeck befand sich neben einer separaten Wetterstation und einem Gepäckraum auch ein Schlafabteil. Weiter vorn, auf einem etwas niedrigeren Höhenniveau, war der Ankerraum eingerichtet, neben einer Kammer für zusätzliches Gepäck und Fracht, die durch eine Luke über dem rechten Stummelflügel erreichbar war.

Der Passagierraum, der über eine Wendeltreppe erreichbar war, unterteilte sich in fünf Räume für je zehn Personen. Eine Hochzeitssuite für vier Personen, ein Speiseraum mit 14 Plätzen, eine Küche und diverse Ruheplätze komplettierten den nutzbaren Raum. Serviert wurde auf Damast mit stets frischen Blumen, unter Verwendung von chinesischem Porzellan und Silberbesteck.

Boeing-Chefpilot Edmund T. Allen und die Crews von PanAm waren mehr als zufrieden mit den Flugleistungen der Maschine, aber natürlich auch mit den Arbeitsbedingungen an Bord. Im Januar 1939 erhielten die ersten beiden Flugboote ihre Musterzulassung und wurden auf die Namen „Honolulu Clipper“ (NC18601) und „California Clipper (NC18602) getauft. Am 3. März bereitete sich die NC 18603 „Yankee Clipper“ in Washington darauf vor, auf den Spuren der Sikorsky S-42 den Atlantikdienst aufzunehmen. Am 4. April 1939 lieferte der Vierte Offizier Horace Brock eine erste Postsendung beim Postamt Dibden Purlieu nahe Southampton ab, doch der reguläre Postdienst begann erst am 20. Mai, als Captain Le Porte die „Yankee Clipper“ in 26 Stunden und 54 Minuten von Long Island nach Lissabon überführte. Dabei wurden rund 200000 Briefe sowie Fracht transportiert, und schon am nächsten Tag ging es weiter nach Marseille, von wo aus verschiedene Fluggesellschaften Anschlussflüge bereitstellten. Die Rundreise endete am 27. Mai in Port Washington, doch wurden insgesamt nur 820 Kilogramm Post und Fracht befördert. Später stieg die Frachtmenge auf durchschnittlich 5900 Kilogramm.

Die NC18604 „Atlantic Clipper“ machte am 17. Juni ihren Erstflug mit 16 Zeitungs- und Rundfunkreportern an Bord und eröffnete elf Tage später den regulären Liniendienst mit drei wöchentlichen Verbindungen. Bereits am 7. Juni hatte Captain Harold Gray die „Yankee Clipper“ auf einer nördlichen Route nach Southampton überführt, mit Tankstopps in Botwood, Neufundland, und dem irischen Foynes, und am 28. Juni fand hier der erste Passagierflug mit der NC18605 „Dixie Clipper“ statt. Einer der Passagiere hatte sein Flugticket bereits neun Jahre vorher reserviert!

Die NC18606 „American Clipper“ nahm ihren Liniendienst im Spätherbst 1939 auf, doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges stoppte den Service. Plötzlich galt es nicht mehr als schick, den Atlantik in Luxuskabinen zu überqueren. Die Linien wurden auf Foynes und Lissabon beschränkt, während England nur noch mit C-Klasse-Flugbooten der Imperial Airways erreichbar war. Im Pazifik hingegen flogen die Maschinen noch eine Weile lang uneingeschränkt, mit Verbindungen nach Auckland in Neuseeland ab 12. Juli 1940 und von San Francisco ab 10. Mai 1941. Der Flugpreis hin und zurück betrug damals 825 Dollar, in der Hochzeitssuite gar 1485 Dollar.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 wurden sechs weiterentwickelte Boeing 314A ausgeliefert, von denen die britische Regierung für den Preis von einer Million Dollar drei Exemplare übernahm.


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Matthias Gründer


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