03.05.2017
Klassiker der Luftfahrt

Boeing stach die Konkurrenz für PanAm eindrucksvoll aus (Teil 3) First-Class-Service auch im Krieg

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NC18607 flog als G-AGCA „Berwick“, NC18608 als G-AGCB „Bangor“ und NC18610 als G-AGBZ „Bristol“, die auf Linien nach Afrika und Amerika und zu Flugzielen außerhalb des Kriegsgebietes eingesetzt wurden. Später dienten die Maschinen ausschließlich dem VIP-Transport zwischen Großbritannien und den USA. Bis Januar 1948 absolvierten sie rund 18000 Flugstunden, legten 7,89 Millionen Flugkilometer zurück und transportierten dabei 40042 Passagiere. Selbst unter Kriegsbedingungen wurde dabei der First-Class-Service aufrecht erhalten.

Als die USA in den Krieg eintraten, beschloss die Regierung, die neun PanAm-Flugboote dem Militär zu unterstellen. Fünf davon erhielt nach dem Angriff auf Pearl Harbor die US Navy, während die anderen vier als C-98 der US Army Air Force unterstellt wurden. Von nun an transportierten die Maschinen alles, was die Truppen brauchten, darunter panzerbrechende Munition für die 8. Armee, ein Kurbelwellengehäuse für ein havariertes Kriegsschiff, topografische Karten für General Doolittle, Blutplasma, medizinisches Gerät oder hochrangige Offiziere.

Allein im März 1943 überquerte die „Atlantic Clipper“ 20-mal den Atlantik und beförderte dabei rund 100 Tonnen Fracht. Die Flugboote landeten teilweise in blockierte Häfen und gerieten unter Beschuss, doch keines von ihnen erlitt Beschädigungen durch Feindeinwirkung. Dennoch gab es am 22. Februar 1943 bei der Landung der „Yankee Clipper“ auf dem Fluss Tagus bei Lissabon eine Katastrophe, bei der 24 Menschen ums Leben kamen.

Die Unfalluntersuchung ergab einen Pilotenfehler, weil die Maschine in einer flachen Kurve mit der rechten Flügelspitze die Wasseroberfläche unterschnitten hatte. Die „Honululu Clipper“ indessen musste am 4. November 1945 westlich von San Francisco wegen eines Motorschadens notlanden. Nachts kam dann schwerer Sturm auf, so dass die Maschine gegen den Tender „San Pablo“ geschleudert und irreparabel beschädigt wurde. Mit mehr als 1200 Schuss 20-mm-Munition wurde das Flugboot versenkt, um nicht den Seelandeplatz zu blockieren.

Kurz danach übergab die Regierung die sieben verbliebenen Boeing 314 wieder an PanAm. Sie waren allerdings nach dem Kriegseinsatz in einem sehr schlechten Zustand, und den kommerziellen Langstreckenverkehr bestritten nunmehr Landflugzeuge, wie die Douglas DC-4 und die Lockheed L-49. PanAm zeigte kein Interesse mehr, die Maschinen mit großem Aufwand zu restaurieren und gab sie 1946 über die War Assets Administration zum Verkauf frei.

Die drei Flugboote der BOAC indessen beendeten den Atlantikdienst und flogen ab 1946 dreimal wöchentlich auf der Linie Baltimore-Bermudas. Gemeinsam mit drei weiteren Maschinen (NC18602, -605 und -606) wurden sie bis 1949 noch von World Airways Inc. auf verschiedenen Routen eingesetzt. Weil das FAA-Register bis zur Löschung am 5. Mai 1954 keine weiteren Eigner angibt, muss davon ausgegangen werden, dass die Maschinen verschrottet worden sind, Andere gingen verloren oder wurden zur Ersatzteilgewinnung kannibalisiert. So endete ruhmlos eine einst prächtige Ära des Luftverkehrs.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 06/2006


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