05.07.2017
Erschienen in: 07/ 2016 FLUG REVUE

Boeing 314 (Teil 2) Erstflug mit Serienmuster

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Mit mehreren Decks und hoher Ausstattungsqualität lieferte die Clipper bisher unbekannten Luxus.Foto und Copyright: Boeing  

 

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Im Unterschied zu den üblichen Entwürfen der großen Flugbootkonstrukteure wie Dornier oder Martin war die Clipper ein normaler Schulterdecker mit an der Vorderkante montierten Antrieben. Durch diese Lösung konnte der Bordmechaniker auf sogenannten Catwalks während des Fluges bis zu den Motoren gelangen, um Inspektionen und Reparaturen vorzunehmen. Die Tragfläche stammte fast unverändert vom Bomber XB-15. Die Einteilung des konventionellen Bootsrumpfes in zwei getrennte Decks für Besatzung und Passagiere war gänzlich neu. Von Dornier übernahm man indessen das Prinzip der Stummelflügel kurz über der Wasserlinie anstelle von Stützschwimmern an den Flügeln. Diese dienten nicht nur als Zusatztanks und Einsteigehilfen für die Passagiere, sondern auch der Stabilisierung im Flug.

Der Erstflug des Modells 314 erfolgte am 7. Juni 1938. Es handelte sich dabei nicht um einen Prototyp oder eine Vorserienmaschine, sondern bereits um ein Serienmuster mit der Kennung NC 18601. Im Cockpit saß der bekannte Testpilot und Pionier der modernen Flug­erprobung Edmund T. Allen. Der Jungfernflug verlief ohne größere Zwischenfälle. Im Laufe der Flugerprobungen auf dem Lake Washington nahe Seattle wurde schließlich das konventionelle Seitenleitwerk mit nur einer Flosse durch eines mit starrer Flosse und zwei ovalen Seitenscheiben ersetzt. Allen hatte es als zu indirekt empfunden und  diese Änderung angeregt. Anschließend waren Allen und die PAA-Crews mehr als zufrieden mit den Flugleistungen. Nach Streckenerprobungen auf den für den Service vorgesehenen Flugrouten begann die erste Clipper am 20. Mai 1939 mit der regulären Postbeförderung über den Atlantik, und der Liniendienst mit Passagieren wurde am 28. Juni 1939 eröffnet. Doch die aufziehenden dunklen Wolken des Konflikts in Europa sollten nichts Gutes bedeuten.

Als die USA nach dem Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg eintraten, beschloss die Regierung, die nunmehr neun Flugboote dem Militär zu unterstellen. Fünf erhielt die US Navy, und vier weitere wurden der US Army Air Force unterstellt. Dort wurden sie als C-98 geführt. Sie transportierten alles, was die Truppen brauchten, darunter hochrangige Offiziere, aber auch ein Kurbelwellengehäuse für ein havariertes Kriegsschiff. 1941 erwarb die britische Regierung drei weitere 314A für einen Preis von je einer Million Dollar.

Zwei schwere Unfälle und das Kriegsende waren ausschlaggebend dafür, dass die US-Regierung die sieben verbliebenen Boeing 314 zurückgab. Diese wurden jedoch des schlechten Zustands wegen nicht mehr eingesetzt und als überzählig verkauft. Die drei britischen Maschinen wurden noch bis 1949 auf Routen von kleinen Fluggesellschaften eingesetzt. Überlebt hat keine der einstigen Königinnen des Atlantiks.


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