26.08.2016
Erschienen in: 08/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

DeltaflüglerAvro 698 Vulcan

Der vierstrahlige strategische Deltaflügel-Bomber Avro Vulcan gilt als spektakulärstes Muster der drei „V-Bomber“ der Briten. Seit den fünfziger Jahren stellte die Vulcan die nukleare Abschreckung für das Vereinigte Königreich sicher.

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Der vierstrahlige strategische Deltaflügel-Bomber Avro Vulcan gilt als spektakulärstes Muster der drei „V-Bomber“ der Briten (Vickers Valiant, Handley-Page Victor und Avro Vulcan). Der Deltaflügler mit Kultstatus stellte seit den fünfziger Jahren die nukleare Abschreckung für das Vereinigte Königreich mit Atombomben sicher. Schon kurz nach Kriegsende, 1946, war die Bomber-Ausschreibung B.35/46 für die sehr klobigen, frei fallenden „Blue Danube“-Atombomben erstellt worden: Waffen mit 9,15 Metern Länge, 3,0 Metern Durchmesser und 4,5 Tonnen Masse sollten befördert werden können. Entsprechend der Forderung verfügte die relativ zierliche Vulcan über  einen gigantischen, ungeteilten Bombenschacht und eine Kanzel für den Bombenschützen. Des Weiteren wurde eine Reichweite von mindestens 5500 Kilometern verlangt, also genug zum Erreichen der Sowjetunion und zurück. Eine Reisegeschwindigkeit von Mach 0.87 und eine Reiseflughöhe von über 50000 Fuß (15,2 km) wurden gefordert, um den  Abfangjägern entkommen zu können. Gleichzeitig verlangte die äußerst anspruchsvolle Ausschreibung, dass das Flugzeug insgesamt nicht schwerer als 45,3 Tonnen sein sollte. Dank eines „Green Satin“-Dopplerradars, das mit dem Autopiloten gekoppelt werden konnte, war die Vulcan  in der Lage, weitgehend autonom zu navigieren. Für schwere Störungen oder Systemausfälle wurde auch die Astronavigation drillmäßig trainiert.

Das Konstruktionsteam der A. V. Roe Ltd. (Avro) unter Roy Chadwick entwarf daraufhin den Deltaflügler „Type 698“. Er besaß vier Triebwerke innerhalb des extrem dicken inneren Flügels. Der relativ kompakte Bomber verzichtete auf ein separates Höhenleitwerk.

Am 23. Juli 1947 erhielt Avro den Auftrag, einen Prototyp zu bauen. Um die Konfiguration des Bombers zu optimieren, wurde zuvor das maßstäblich verkleinerte Versuchsflugzeug Avro 707 als Wegbereiter der Vulcan gefertigt. Am 30. August 1952 startete Wing Commander Roly Falk mit der ersten Vulcan VX770 in Woodord zum Erstflug. Weil die vorgesehenen Turbojet-Triebwerke Bristol Siddeley „Olympus“ noch nicht fertig waren, nutzte der erste Prototyp vier deutlich schwächere Rolls-Royce RA3 Avon als Ersatz. 1955 kamen die ersten, leicht vergrößerten B.1-Serienflugzeuge in Woodford aus der Endmontage. Nach Strukturproblemen wegen Flatterschwingungen am Außenflügel erhielten die Flügelvorderkanten der verbesserten Vulcan B.2 charakteristische Knicke statt des strengen Deltagrundrisses.

Im Mai 1956 wurden die ersten Flugzeuge ausgeliefert, im Juli 1957 meldete die No. 82 Squadron die Vulcan einsatzbereit. Die Besatzung bestand aus fünf Mann: zwei Piloten auf Schleudersitzen sowie einem Navigator, einem Radaroffizier und einem Elektronikoffizier, die sich im Notfall allerdings nicht per Schleudersitz hätten retten können. Die Crew sollte   durch eine Bodenluke abspringen.


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Sebastian Steinke


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