07.07.2017
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Die Ar 234 im Vergleich mit der Me 262 (Teil 3) Aerodynamik

kl 04-2014 Ar 234 und Me 262-08

Aus dieser Perspektive zeigt sich deutlich die modernere Aerodynamik der Me 262, die sie bei gleichem Antrieb schneller als die Ar 234 machte. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Die Ruderkräfte aller Ruder der Ar 234 seien bei allen erflogenen Geschwindigkeiten durchweg geringer als die der Me 262, im Stechflug erreichte der Pilot in Bodennähe 780 km/h. Dabei kritisierte er eine gegenüber der Messerschmitt geringere Rollwendigkeit und Ruderfolgsamkeit. Als Ursache vermutete er das zu weich ausgelegte Steuergestänge. Positiv vermerkte er jedoch die sehr gute Seitenruderwirksamkeit auch noch im Einmotorenflug.

Bei den Tests wurde die Ar 234 mit Schwerpunktlagen zwischen 22 und 27,5 Prozent geflogen. Wegen der schwerpunktnahen Positionierung der Bombenträger und Tanks zeigte die Ar 234 kaum Schwerpunktverschiebungen beim Bombenabwurf oder Leerfliegen der Tanks. Eingehend wurde die Richtungsstabilität untersucht. Dabei waren die Bedingungen infolge der starken Böigkeit sehr ungünstig. „Trotzdem machte die Maschine einen wesentlich besseren Eindruck als die Me 262, besonders hinsichtlich der Restschwingungen. Die statische Stabilität ist gering, d. h., die Schwingungszeiten sind groß. … Dieses wirkt sich in Verbindung mit kleinen Steuerkräften beim Schießanflug sehr gut aus“, heißt es im Flugprotokoll.

Dabei stellte der Pilot keinen Einfluss der Schwerpunktlage auf die Richtungsstabilität des Flugzeugs fest. Insgesamt sei das Schwingungsverhalten mit dem der Me 262 mit innenausgeglichenem Seitenruder vergleichbar. Beim Fliegen von Steilkurven empfand der Testpilot jedoch als sehr unangenehm, dass die Ar 234 um die Hochachse in den Kreis hineindrehte und deshalb mit dem Seitenruder dagegengehalten werden musste, um nicht zu fallen. Die Me 262 hingegen hatte bei Steilkreisen die Tendenz, um die Hochachse nach außen zu drehen und zu steigen. Die Ergebnisse des Vergleichsfliegens von Me 262 und Ar 234 bei der E-Stelle Rechlin, das einige Zeit zuvor stattgefunden hatte, deckten sich zum Teil mit den bei Messerschmitt getroffenen Feststellungen. Auch hier wurde die besonders gute Bauausführung der Arado betont. Bei den Messungen der Horizontalfluggeschwindigkeit lag die Me 262 um etwa 80 km/h über der Ar 234. Der Vorsprung hätte noch größer ausfallen können, wenn die Oberfläche der Messerschmitt aerodynamisch besser gewesen wäre.

Ein überraschendes Ergebnis war, dass sich die Ar 234 bei den Vergleichsflügen gegenüber der Me 262 als rollwendiger herausstellte. Die Ruderkräfte der Me 262 waren wesentlich höher. Bei dem Testflug mit der Messerschmitt konnte der Pilot, Major Behrens, bei höherer Geschwindigkeit nur unter Aufbietung aller Kräfte volles Querruder geben.


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