25.02.2016
Erschienen in: 02/ 2016 FLUG REVUE

Vom Postflugzeug zum BomberAmiot 350

Ursprünglich als Postflugzeug entworfen, sollte die Amiot-350-Familie als Bomber für die dringend benötigte Modernisierung der französischen Luftstreitkräfte sorgen. Doch das vielversprechende Muster kam zu spät.

Auf der Suche nach einem neuen zweimotorigen Bomber stießen die französischen Luftstreitkräfte auf einen Entwurf der von Félix Amiot gegründeten Société d’Emboutissage et de Constructions Mécaniques (SECM). Die als Langstrecken-Postflugzeug entworfene Amiot 341 beeindruckte auf dem Pariser Aerosalon von 1936 die Besucher mit ihren aerodynamisch sehr sauber gestalteten Linien. Der freitragende Schulterdecker verfügte über ein Einziehfahrwerk und einen geräumigen Rumpf mit kreisförmigem Querschnitt. Da lag eine Verwendung als Kampfflugzeug nahe. Am 6. Dezember 1937 startete die Amiot 340-01 zu ihrem Erstflug. Für den Antrieb der Bomber-Variante sorgten zwei Doppelsternmotoren Gnome et Rhône 14N 0/1. Der in Ganzmetall-Schalenbauweise ausgeführte Rumpf bestand aus drei Baugruppen.

Im großzügig verglasten Rumpfvorderteil war der Bombenschütze untergebracht, dem bei Bedarf ein 7,5-mm-MG vom Typ MAC 34 mit 500 Schuss zur Verfügung stand. Für den Horizontal-Bombenabwurf wurde ein Zielgerät des Typs D-30 von Dervaud-Bronzavia eingesetzt. An der Kanzelunterseite befand sich eine Einstiegsluke für die Besatzung. Im Mittelrumpf waren der Waffenschacht und darüber der Raum für Flugzeugführer (vorn) und Bordschütze (hinten) angeordnet. Oberhalb des Bombenschachts war eine 20-mm-Kanone des Typs HS 404 mit 120 Schuss in einer Hydrauliklafette SAMM AB 34 gelagert. Der Platz für den Bordfunker befand sich unmittelbar hinter dem Waffenschacht im unteren Rumpfmittelteil und war mit einem 7,5-mm-MG des Typs MAC 34 mit 800 Schuss ausgestattet. Der Waffenstand selbst konnte durch ein verglastes Rollfenster geschlossen werden.

Die tragende Struktur des zweiteiligen Flügels bestand aus einem kastenförmigen Hauptholm und zwei Hilfsholmen sowie der Beplankung. Der Anschluss der beiden Flügelhälften erfolgte an besonders kräftig ausgebildeten Spanten des Rumpfmittelteils.

Die Erprobung der Amiot 340-01 beim Centre d‘Expertise Aérien Militaire (CEAM) in Villacoublay zeigte die Notwendigkeit einiger Modifikationen wie die Optimierung der Motorverkleidungen. Einige Monate später erhielt der Prototyp stärkere Motoren (14N 20/21) und einen Waffenstand für ein bewegliches 7,5-mm-MG im Rumpf hinter dem Waffenschacht. Das einteilige Seitenleitwerk wich einem Endscheibenleitwerk. Aufgrund dieser erheblichen Änderungen bekam der Bomber die Bezeichnung Amiot 351-01; er hob am 21. Januar 1939 zum erneuten Jungfernflug ab.

Viele Versionen mit verschiedenen Antrieben

Die Militärs wollten sich aber nicht auf eine Antriebsvariante festlegen und entschieden sich gleich für mehrere Versionen: Die Amiot 350 verfügte über zwei flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder-Reihenmotoren Hispano-Suiza 12Y 28/29, während die Amiot 351 von zwei luftgekühlten 14-Zylinder-Doppelsternmotoren Gnome et Rhône 14N 38/39 angetrieben wurde. Außerdem waren die Amiot 352 mit zwei Hispano-Suiza 12Y 50/51 und die Amiot 353 mit zwei Rolls-Royce Merlin III im Angebot. Nachdem auch der leistungsstärkere Gnome et Rhône 14N 48/49 lieferbar war, entstand der Entwurf Amiot 354. Dieser hatte wie die 340-01 wieder ein einfaches Seitenleitwerk und wurde in größerer Stückzahl gebaut. Zu guter Letzt gab es noch die Amiot 356, die über das Leitwerk der Amiot 354 und zwei Merlin-X-Motoren verfügte.

Im Jahr 1938 erhielt Amiot die ersten Aufträge zur Lieferung von 30 Amiot 351, 60 Amiot 353 und 40 Amiot 354. Diese Orders erhöhten sich mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf 890 Flugzeuge. Trotz der Dringlichkeit konnten der Armee de I´Air Anfang 1940 nur fünf Maschinen geliefert werden. Ende Mai verfügten die Streitkräfte  lediglich über 57 Flugzeuge. Am 28. April 1940 flogen Maschinen der  Groupe de Bombardement II/21 ihre ersten Einsätze. Bis zum 20. Juni 1940 hatte die Armee de I‘Air 61 Exemplare  der Amiot-350-Serie übernommen, die jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf den Kriegsverlauf hatten. Später dienten einige umgerüstete Bomber als Postflugzeuge bei der Air France. Damit kehrte das Muster zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück.

Technische Daten

Amiot 354 B 4

Hersteller: Société d’Emboutissage et de Constructions Mécaniques (SECM), Frankreich
Typ: mittleres Kampfflugzeug
Antrieb: 2 Gnome et Rhône 14N 48/49
Leistung: je 686 kW (920 PS)
Länge: 14,50 m
Höhe: 4,50 m
Spannweite: 22,83 m
Flügelfläche: 67,50 m2
Leermasse: 4720 kg
max. Startmasse: 11 316 kg
Höchstgeschwindigkeit: 478 km/h
Steigzeit auf 4550 m: 8,7 min
Dienstgipfelhöhe: 10 000 m
Reichweite: 2470 km
Bewaffnung: 1200 kg Bomben, eine 20-mm-Kanone HS 404, zwei 7,5-mm-MGs MAC 34

Die Konkurrenz

fr 02-2016 Amiot 350 (05)

Die Lioré et Olivier LeO 451 litt unter ähnlichen Problemen wie die Amiot 350. Foto und Copyright: FR-Dokumentation  

 

Wie die Amiot-350-Serie sollte die Lioré et Olivier LeO 45 die älteren Muster bei den Verbänden der Armée de l‘Air ersetzen. Die erste Maschine hob am 15. Januar 1937 zu ihrem Jungfernflug ab. Der mittlere Bomber ging schließlich nach einigen Modifikationen als LeO 451 in Serie. Allerdings gab es auch hier Verspätungen bei der Produktion. Obwohl immerhin mehr als 200 Exemplare bei Kriegsbeginn ausgeliefert waren, erwies sich davon nur rund ein Viertel als einsatzbereit. Zudem mussten die Verbände recht hohe Verluste in Kauf nehmen. Im Gegensatz zur Amiot-Familie lief die Produktion nach der Niederlage Frankreichs gegen Deutschland unter dem Vichy-Regime weiter, sodass die Gesamtstückzahl die 500er-Marke überstieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige verbliebene Flugzeuge zu Transportern umgerüstet und flogen so noch bis in die 50er Jahre.

FLUG REVUE Ausgabe 02/2016

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René Artois


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