29.02.2016
Erschienen in: 08/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

AirshowFlying Legends Duxford 2015

Mit einer Leserreise zwei Airshows besuchen – das gibt es nur beim Klassiker der Luftfahrt. In Yeovilton und Duxford wurden Wünsche wahr.

Der Besuch der Flying Legends  Airshow auf dem Gelände des Imperial War Museum in Duxford  ist ein Muss für jeden Fan historischer Flugzeuge. Hier findet man alles vereint, was in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges Rang und Namen hatte, hier sieht man heute friedlich nebeneinander, was sich einst auf das Bitterste bekämpfte.

Der Tag beginnt mit einem Rundgang, der zunächst zur Flightline führt – für fünf Pfund extra kommt man hinter den Zaun näher an die Maschinen, die auf das Beste restauriert und farbenfroh lackiert aufgereiht stehen. Besonders attraktive Fotomotive sind dabei die zahlreichen freiwilligen Helfer in ihren historischen Uniformen. Sie sorgen unauffällig dafür, dass sich allzu Begeisterte nicht an die Flugzeuge wagen. Für ein gutes Foto machen sie aber schon einmal eine Ausnahme.

Nachdem hier alle Fotowünsche fürs Erste befriedigt worden sind, lohnen sich Stippvisiten in den historischen Gebäuden auf dem Gelände des früheren Flugplatzes der Royal Air Force. Acht Hallen im Nordendes Platzes werden vom Imperial War Museum genutzt. So sind Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg und in der größten Halle auch Jets aus den 1960er Jahren zu sehen.

Abwechslungsreiche Flugvorführungen

Das größte Problem dabei ist, wie in allen Luftfahrtmuseen der Welt, dass die riesige Halle sprichwörtlich vollgestopft scheint mit Fluggeräten und Sachzeugen aller Art – ein Horror für die Fotografen.

Kaum findet man noch Zeit für die vielen Verkaufsstände, wo es alles, aber auch wirklich alles gibt, was des Fliegerfans Herz begehrt, da beginnt auch schon die Airshow. Mit Worten kaum zu beschreiben sind die Vorführungen der alten Ladies. Man muss die waghalsigen Manöver selbst gesehen, den unverwechselbaren Sound der Motoren selbst gehört haben, wenn man nur eine Ahnung davon haben will, was Flying Legends wirklich bedeuten.

Eine ganz andere, ebenfalls unverwechselbare Airshow erlebten die Teilnehmer der Klassiker-Leserreise auf der Royal Naval Air Station in Yeovilton in der Grafschaft Somerset. Hier im Süden Englands, unweit von Stonehenge, liegt nahe des Städtchens Yeovil die Basis, die in diesem Jahr den 75. Jahrestag ihrer Gründung feierte. Im Jahre 1940 noch unter dem Namen „HMS Heron“ fungierend, hat die Air Station eine wechselvolle Geschichte hinter sich und beherbergt heute mehrere Schul- und Einsatzstaffeln von Marinehubschraubern unterschiedlicher Typen.

Für die Einheimischen war der Air Day sichtlich eine willkommene Abwechslung im täglichen Einerlei einer typischen englischen Militärstadt und damit vor allem ein Familienfest. Von der Oldtimer-Ausstellung über Bastelstraßen bis hin zu riesigen Hüpfburgen war alles aufgebaut, was die Veranstaltung auch für Familienangehörige der hier stationierten Militärs attraktiv machte; für alle anderen boten Static und Flying Display zur 75-jährigen Geschichte und mit starker internationaler Beteiligung Attraktives für Auge und Ohr des Flugzeugfans.

Besonders aufmerksam verfolgten Insider der Klassik-Szene die erste Präsentation einer de Havilland Sea Vixen nach jahrelanger Restaurierung beim Fly Navy Heritage Trust. Die Vorführung war beeindruckend angesichts der Tatsache, dass solche alten Maschinen ja naturgemäß vorsichtig geflogen werden, zumal es kaum noch Piloten aus der damaligen Zeit geben dürfte, die heute noch ihre Lizenz haben. Jeder Vixen-Pilot mag auf anderen Typen Profi sein – hier ist er ein blutiger Anfänger.

Während also einerseits ein Neuankömmling in der Szene begrüßt wurde, hieß es für ein anderes Symbol britischer Luftfahrtgeschichte unwiderruflich Abschied nehmen: Die letzte fliegende Avro Vulcan, die sich bereits seit Jahren nur dank großzügiger Spenden von einem Flugjahr zum anderen hangelte, ist nun endgültig am Ende ihres Fliegerlebens angelangt.

Abschied vom letzten V-Bomber

Zu teuer ist auf Dauer der Betrieb dieses Riesenbombers, für den auch die Ersatzteile zur Neige gehen. Die Betriebsgenehmigung läuft Ende dieses Jahres ab, sodass die Maschine nur noch einmal während der Saison durch das Land touren konnte. Bei allen bedeutenden Airshows zeigte sie nochmals ihre unverwechselbare Silhouette am Himmel und bot den zahllosen Fotografen zum letzten Mal die Möglichkeit, einen der legendären V-Bomber der Royal Air Force im Flug zu erleben. Hier war deutlich zu spüren, dass eine Ära zu Ende ging.

Wie derartige historische Flugzeuge schließlich am Boden der Nachwelt erhalten werden, zeigte das Static Display, in dem neben zahlreichen heutigen Mustern auch solche aus der Kriegszeit oder der sogenannten „Cold War Era“ präsentiert wurden.

Ungeachtet dessen, dass die Teilnehmer der Klassiker-Leserreise ihr Interesse hauptsächlich auf historisches Fluggerät richteten, zollten sie natürlich auch den modernen britischen Marinefliegern, ihrem Material und ihren Gästen den gebührenden Respekt. Besonders beeindruckten dabei die Rafales und Super Etendards der französischen Marineflieger, die spanische Patrulla Aguila auf C-101 Aviojet und natürlich die Red Arrows.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 08/2015

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Matthias Gründer


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