29.03.2017
Klassiker der Luftfahrt

1982 (Teil 3) Die Hauptaufgaben der E-Stelle

Vor 30 Jahren - Die Geheimküche der Bundeswehr Bild 2

Blick in die Rüsthalle der Erprobungsstelle Manching. Foto und Copyright: Hans Redemann / Motor Presse Stuttgart  

 

Hauptaufgabe der E-Stelle 61 ist die technische Erprobung des gesamten fliegenden Geräts der Bundeswehr. Seit einer Neuorganisation im Jahre 1974 erfolgt sie im Zusammenwirken mit den Fachabteilungen des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz. Diese haben deshalb in Manching „Ausgelagerte Fachbereiche" mit zirka 90 Mitarbeitern eingerichtet. Als Erprobungsträger stehen 15 verschiedene Flugzeug- und Hubschraubermuster zur Verfügung, 35 bis 40 Maschinen insgesamt. Nur die beiden Hubschrauber der Marineflieger, Westland Sea Lynx und Sea King sowie der Fernaufklärer Atlantic sind nicht immer in Manching. Jährlich werden mindestens 3000 Flugstunden absolviert, davon mehr als die Hälfte in Form von Meßflugstunden.

Die Mehrzahl der Erprobungsaufgaben liegt gegenwärtig bei den Kampfflugzeugen Tornado und Alpha Jet, deren Truppeneinführung inzwischen angelaufen bzw. schon abgeschlossen ist. Im Vordergrund steht dabei besonders die Erprobung neuer Waffen und Avioniksysteme für diese beiden Muster. Doch auch die elektronische Kampfführung kommt nicht zu kurz. Sogar das Ultraleichtflugzeug Firebird wird von der E-Stelle zur Zeit auf seine Flugeigenschaften und -leistungen untersucht. Hinzu kommt noch das seit einiger Zeit laufende Programm der Kampfwertsteigerung von Phantom 11-Jägern und -Aufklärern für „Dual Role"-Einsätze.
          

Neue Waffen und Waffensysteme

Die Beschaffung von Waffen und Waffensystemen für die Bundeswehr unterliegt sehr strengen Bestimmungen. Aus den militärischen Anforderungen der Führungsstäbe an ein Gerät entsteht im BWB ein für die Entwicklung und Lieferung verbindliches Lastenheft. Vor Einführung des Geräts in Form eines Truppenversuchs bei Heer, Marine oder Luftwaffe werden meist mehrere Muster einer gründlichen technischen Erprobung unterworfen. Primäre Aufgabe ist es, die im Lastenheft aufgeführten technischen Forderungen mit den Tatsächlichen Leistungen des Geräts zu vergleichen. Dabei gewinnt der Erprobungsingenieur auch wertvolle Aufschlüsse über Konstruktion, Zuverlässigkeit, Bedienbarkeit und Fertigungstechnik des Prüflings. Das befähigt ihn zu einem Urteil über den Kampfwert des Geräts im Vergleich zu den entstehenden Kosten. Die Beurteilung führt zu Annahme oder Ablehnung oder Änderung der vorgelegten Muster. Auf eine Änderung muss in der Regel eine neue Erprobung folgen, was jedoch durch rechtzeitige Einflussnahme erfahrener Versuchsingenieure auf die Entwicklung weitgehend vermieden werden kann. Hat die Erprobung die Eignung des Geräts nachgewiesen oder ist mit einiger Sicherheit ein positives Urteil zu erwarten, so beginnt die Einweisung von Soldaten der entsprechenden Spezialeinheiten durch die E-Stelle. Anschließend kann der Truppenversuch vorbereitet und durchgeführt werden, wobei Manching dann auf Verlangen Amtshilfe leistet.


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Hans Redemann



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