07.12.2009
Klassiker der Luftfahrt

BdW Txt Dornier Do 29Bild der Woche: Dornier Do 29

Mit dem Experimentalflugzeug Do 29 untersuchte Dornier Ende der 50er Jahre Kurzstarttechniken mit Hilfe schwenkbarer Propellerachsen. Die Erprobung verlief erfolgreich.

Dornier Do 29

Das Experimentalflugzeug Dornier Do 29  

 

Kurz- und Senkrechtstart waren besonders in den späten 50er und den 60er Jahren Zauberworte in der Flugzeugentwicklung. Einige Projekte entstanden dabei, wie zum Beispiel auch die VAK 191B, die wir gerade im aktuellen Heft von Klassiker der Luftfahrt ausführlich und mit einem Report eines ihrer Testpiloten vorstellen. Dornier, die mit der Do 29 technisches Neuland betraten, gehörten  zum Kreis der Kurz- und Senkrechtspioniere dieser Zeit.

Kernstück der Do 29, die Dornier gemeinsam mit der Deutschen Fotschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) entwickelte, waren ihre bis zu 90 Grad nach unten schwenkbaren Propellerachsen. Das Bundesverteidigunsministerium förderte das Projekt. Für die Militärs ging es darum, die Lücke zwischen Hubschrauber und Flugzeug zu schließen. Sie wollten seinerzeit ein Flugzeug mit extremen Kurzstarteigenschaften erhalten, das auf kleinsten Plätzen agieren, aber wesentlich schneller als ein Hubschrauber fliegen sollte. Die Propeller-Schwenktechnik sollte mit der Do 29 als ein Weg zu diesem untersucht werden. Basis der Do 29 war eine umgebaute Zelle der Do 27, deren vordere Rumpfsektion und mittlerer Flügelteil stark modifiziert waren. Den Antrieb besorgten zwei Lycoming GO-480 mit jeweils 270 PS (198 kW). Die Propellerwellen waren durch eine Verbindungswelle gekoppelt, um auch bei Ausfall eines Motors mit gleicher Drehzahl zu laufen und damit symmetrischen Auf-/Vortrieb zu liefern.

Am 21. Dezember 1958 flog die Do 29 V1 in Oberpfaffenhoven zum ersten Mal. In der folgenden Flugerprobung zeigte das Flugzeug, dass es bei Nutzung der Schwenktechnik nach nur 80 Metern Rollstrecke abheben konnte. Die nach der theoretischen Auftriebsberechnung mögliche Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h konnte allerdings nicht erflogen werden, da die Do 29 dann wegen der kaum noch angeströmten Ruder nicht mehr steuerbar gewesen wäre. Als Höchstgeschwindigkeit gab Dornier 330 km/h an, die Reichweite der Do 29 soll nach Werksangaben 800 Kilometer betragen haben, ihre Dienstgipfelhöhe 7000 Meter.
Aus der Erprobung der Do 29 V1 und der ebenfalls noch gebauten Do 29 V2 zog Dornier einige Erkenntnisse, die in die Do 31, den ersten senkrecht startenden Transporter der Welt, einflossen. Doch die Kurz- und Senkrechtstarteuphorie der Militärs klang schnell ab. So mündete auch das Erprobungsprogramm der Do 29 bei Dornier nicht in die Weiterentwicklung dieser Technik. Ein dritter ursprünglich bestellter Prototyp wurde nicht fertiggestellt. Heute befindet sich die noch existierende Do 29 V1 im erst im Sommer 2009 eröffneten Dornier Museum in Friedrichshafen.




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