22.12.2014
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 52/2014Piaggio P.166

Die Ende der 1950er Jahre konstruierte Piaggio P.166 erwies sich als robust und vielseitig, so dass sie vor allem von staatlichen Organisationen verwendet wurde. Aber auch kleine Fluggesellschaften machten sich die Vorzüge des leichten Druckpropellerflugzeugs zunutze. Die „Deutsche Taxiflug GmbH“ richtete in der jungen Bundesrepublik einen Seebäderdienst ein.

Piaggio P.166 Bild der Woche

Kleine Fluggesellschaften wie die "Deutsche Taxiflug" flogen in den 1960er Jahren mit der P.166 die ostfriesischen Inseln an. © Foto: KL-Dokumentation  

 

„Badefreudige aus Hannover, Bremen und Düsseldorf haben nunmehr gute Gelegenheit“, schrieb „Die Zeit“ im Juni 1961, „die Ostfriesischen Inseln mit der `Taxiflug´ zu erreichen.“ Das 1959 von den Stahlunternehmer Willy Korf gegründete Bedarfsflugunternehmen mit Sitz in Mannheim erweiterte in jenem Sommer sein Angebot außerdem um Flüge von Hamburg nach Wangerooge, Langeoog, Norderney, Juist, Borkum sowie St. Peter und auf die Insel Föhr. Zuvor war die Taxiflug hauptsächlich von Hamburg nach Helgoland geflogen.

Risikofreudige Unternehmer wie Korf leisteten Pionierarbeit in der frühen Bundesrepublik, indem sie an die alte Tradition des Seebäderdienstes anknüpften. Seine Fluggesellschaft bot zudem Flugverbingungen zwischen westdeutschen Städten an, die von den großen Gesellschaften nicht beflogen wurden, etwa Baden Baden-Karlsruhe-Mannheim-Frankfurt. Ähnlich organisiert war die Deutsche Nah-Luftverkehr AG in Gummersbach. Beide Gesellschaften boten auch Charterflüge zu jedem Ziel innerhalb Westeuropas an. Die zu jener Zeit häufig eingesetzen Flugzeugtypen waren neben der Piaggio die Dornier Do 28 und die zweimotorige Bonanza, aber auch einmotorige Muster wie die Dornier Do 27 und die Super Cub.
Im Charterverkehr wurden 255 Mark pro Flugstunde für die sechssitzige Do 27 verlangt, für die zweimotorige P.166 wurden 575 Mark berechnet. Später verschmolzen beide Unternehmen zur Air Lloyd.

Die Piaggio P.166 ist im November 1957 erstmals geflogen. Der italienische Hersteller versuchte mit der Neuentwicklung an den bescheidenen Erfolg mit dem ab 1948 gebauten Amphibienflugzeug P.136 anzuknüpfen. Von diesem übernahmen die Konstrukteure die freitragenden Schulterdecker-Knickflügel und die für Piaggio so typische Druckpropelleranordnung. Ausgerüstet wurde die Zweimot zunächst mit 340 PS starken GSO-480-Sechszylindermotoren von Lycoming. Spätere Versionen besaßen andere Motoren.
Der Hauptabnehmer für das Mehrzweckflugzeug war der italienische Staat, der das Muster für die Luftwaffe, die Küstenwache und die Finanzpolizei beschaffte. Die letzte Version, P.166 DP1 genannt, entwickelte Piaggio zwischen 1998 und 2004. Sie wird von PT6-Turbinen angetrieben und besitzt moderne Rockwell-Collinis-Avionik.

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