20.02.2017
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 08/2017Boeing B-17H mit Rettungsboot

Für die Seenotrettung entwickelten Ingenieure ab 1943 Boote, die von einem Flugzeug aus abgeworfen werden konnten. Als Seenotrettungsflugzeuge nutzte die US Navy und die US Army Air Force unter anderem modifizierte Boeing B-17.

Bild der Woche Kw 11-11 Boeing B-17H

Bomber mit Beiboot: Dieser B-17H wird ein abwerfbares Boot für eine Rettungsmission unter dem Rumpf befestigt. Foto und Copyright: © Boeing  

 

Den Tarnnamen "Dumbo" erhielten die Seenotrettungsmissionen mit Langstreckenbombern von dem fliegenden Elefanten Dumbo aus dem gleichnamigen Walt-Disney-Zeichentrickfilm. Die US Army Air Force ließ Langstreckenbomber wie die Boeing B-17G zu Rettungsflugzeugen umbauen, um notgewasserte oder abgeschossene Flugzeugbesatzungen über dem Atlantik und Pazifik zu retten. Die B-17 patrouillierten entlang der bekannten Bomber-Flugrouten und konnten bei Bedarf ein hölzernes Boot abwerfen, das mit Motor, Segel und Proviant für zwölf Personen für 20 Tage bestückt war. Die US Army Air Force flog die ersten Rettungsmissionen mit einer B-17 im Jahr 1944. Die US Navy und die US Coast Guard begannen mit ersten Missionen nur wenig später. Bei ihnen flogen die B-17 unter der Bezeichnung PB-1G.

Das Boot vom Typ Higgins A-1 war extra für diese Einsätze entwickelt worden. Es wurde unter dem Mittelrumpf der B-17 angehängt und reduzierte die Bodenfreiheit des Spornrad-Bombers auf ein Minimum. Um das Boot unter dem Rumpf zu befestigen, waren fünf Mann notwendig (siehe Foto).

Zum Abwerfen des Bootes hatte die US Army Air Force ein spezielles Verfahren entwickelt: Der Pilot musste den Bomber auf eine Geschwindigkeit von 190 km/h trimmen und exakt in 1500 ft Höhe fliegen. Genau über dem Ziel wurde das Boot vom Flugzeug abgeworfen. Drei Standard-Fallschirme der US Army wurden durch eine am Bomber befestigte Reißleine ausgelöst und ließen das Boot mit einer akzeptablen Fallgeschwindigkeit auf dem Meer aufsetzen. Beim Kontakt mit dem Wasser wurden automatisch zwei Raketen ausgelöst, die eine je 185 Meter lange Leine rechts und links vom Boot aus wegzogen. Dies sollte es Überlebenden erleichtern, das Boot zu erreichen. Die Fallschirme dienten im Wasser als Treibanker, damit das Boot nicht so schnell von der Strömung abgetrieben werden konnte. 

Bis Mitte der fünfziger Jahre wurden die B-17H/PB-1G in dieser Rolle eingesetzt. Ab 1947 begann jedoch bereits die Umrüstung des Seenotdienstes auf SB-29 "Super Dumbo", die ein noch größeres Boot, das so genannte A-3 Lifeboat, erhielten. Es war aus Aluminium gebaut und wurde von der Edo Corporation produziert. Sie blieben bis Mitte der fünfziger Jahre im Einsatz. Allerdings waren die SB-29 in der Seenotrettungsrolle wenig erfolgreich: Ihnen wird weniger als eine Handvoll Rettungen zugeschrieben. 



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