30.10.2012
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 2012/44: Schlachtflugzeug Iljuschin IL-40Bild der Woche: Schlachtflugzeug Iljuschin IL-40

Die IL-2 „Schturmowik“ war wohl eines der bekanntesten sowjetischen Flugzeuge des Zweiten Weltkrieges. Noch in der Schlussphase des Krieges wurde der Nachfolger IL-10 in die Bewaffnung eingeführt, doch war dieser schon bald veraltet. Also machten sich die Konstrukteure daran, ein strahlgetriebenes Muster zu entwickeln, das aber nie in Serie produziert wurde. Die Zeit der konventionellen Schlachtflieger war vorbei.

Bild der Woche: Schlachtflugzeug Iljuschin IL-40

Die erste IL-40 mit überarbeiteter Bugsektion und reaktiven Geschossen als Bewaffnung. © KL-Dokumentation  

 

Das OKB-240 von Sergej Iljuschin betrieb die Modernisierung als Reaktion auf die Luftkämpfe im Koreakrieg. Die erste Variante sollte noch von zwei mächtigen Propellertriebwerken TW-2 angetrieben werden und maximal 1000 kg Bombenlast bei einer Marschgeschwindigkeit von 600 km/h befördern können. Schon bald aber zeigte sich, dass die Taktik der Schlachtflieger jener der strahlgetriebenen Jagdflugzeuge angepasst werden musste.

Im Februar 1953 verließ der erste Prototyp der IL-40 die Werkhallen, und am 17. März startete Wladimir Kokkinaki zum Erstflug. Das Flugzeug war als Ganzmetalltiefdecker in Schalenbauweise ausgelegt, hatte ein einziehbares Bugradfahrwerk und einen Tragflügel mit 35 Grad Pfeilung und einem recht dicken ZAGI-Profil. Der Rumpf war mit acht Millimetern stark gepanzert, um die Besatzung und die sechs Kraftstofftanks im extremen Tiefflug vor dem Abwehrfeuer aus leichten Waffen zu schützen. Allein dieser Panzerschutz wog 1728 kg; hinzu kamen die dicken Panzerglasscheiben mit 134 mm nach vorn und 65 mm an den Seiten.

Weil man aus der Erfahrung von früheren Waffenerprobungen wusste, dass die Triebwerke die Pulvergase beim Dauerfeuer von sechs Maschinenkanonen nicht „vertrugen“, stattete man die Bugsektion mit einer speziellen Kammer aus. Hier sollten die Gase gesammelt und über spezielle Klappen derart abgeleitet werden, dass sie die Triebwerke nicht beeinflussen konnten, doch die Praxis sah anders aus. Da dieses Problem einfach nicht gelöst werden konnte, baute man die Waffenanlage so um, dass nun nur noch vier Maschinenkanonen zur Anwendung kamen. Dennoch machte das Flugzeug, obwohl es allgemein als gut handhabbar beschrieben wurde, noch Probleme, so dass man sich zum Bau eines stark modifizierten zweiten Prototyps entschloss.

Damit erfüllte die IL-40 alle Forderungen und war selbst von unerfahrenen Piloten leicht zu fliegen. Jedoch waren die Sichtverhältnisse aus beiden Cockpits ziemlich schlecht, die Kabinen waren unbeheizt, und im Notfall konnten die Schleudersitze nicht durch die geschlossenen Kabinenhauben geschossen werden. Auch galt die Auslegung mit einem rückwärts fliegenden Bordschützen mittlerweile als überholt, zumal dessen Schussfeld recht klein war.
Letztendlich wurde keine der projektierten Versionen in Serie gebaut. Im April 1956 wurde das Programm gestoppt, weil sich die sowjetische Militärdoktrin geändert hatte. Man setzte jetzt auf taktische Atomwaffen anstelle von Schlachtflugzeugen.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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