29.04.2013
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 2013/18: FFA P-16Bild der Woche: FFA P-16

1948 forderte das Schweizer Militärdetachement einen Abfangjäger, der auf die Gegebenheiten des Alpenlandes zugeschnitten sein sollte. Zwei Entwürfe kamen von der einheimischen Industrie, doch verwirklicht wurde keiner.

BdW 0012 FFA P-16

Das Schweizer Jagdflugzeug P-16 war ungewöhnlich stark bewaffnet. es wurde aber nie in Serie gebaut. Foto: © KL-Dokumentation  

 

Sowohl die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA, Projektbezeichnung P-16), als auch die Eidgenössischen Flugzeugwerke in Emmen (EFW, Projekt N-20 „Aguillon“) erhielten Aufträge zur Entwicklung entsprechender Muster und zum Bau von Prototypen. Die Emmener mussten allerdings 1953 die Arbeiten an ihrem Flugzeug wegen unlösbarer technischer Probleme einstellen, während FFA den Entwurf eines einsitzigen Jägers mit ungepfeilten Tragflächen realisierte. Der erste Prototyp P-16-01 startete am 28. April 1955 zum Jungfernflug. Beim 22. Testflug am 31. August 1955 stürzte die Maschine wegen Bruchs einer Druckluftleitung am Tank in den Bodensee.

Durch die Katastrophe erlitt das Erprobungsprogramm ziemliche Verschiebungen. Eine kurzzeitige Truppenerprobung des Flugzeugs J-3002 Anfang 1957 wiederum ergab gute Beurteilungen durch die Milizpiloten. Im März 1958 orderte die Schweizer Bundesregierung ein erstes Baulos über 100 Maschinen des Typs P-16 Mk III, doch nur eine Woche später stürzte auch die P-16-03 ab, wobei sich der Pilot noch mit dem Schleudersitz retten konnte. Infolgedessen stoppte die Regierung den Bauauftrag und zog ihn zwei Monate später ganz zurück, weil nach Angaben des offiziellen Untersuchungsausschusses die Modifikationen das Programm zu lange aufgehalten hätten. Sowohl das Kommando der Fliegertruppe als auch die Regierung wandten sich vom nationalen Eigenbau ab und akzeptierten ein Angebot über die gleiche Zahl britischer Hawker Hunter.

Dennoch waren die Arbeiten nicht ganz umsonst gewesen, denn 1960 hatte der Amerikaner William P. Lear sr. in Genf die Swiss American Aviation Corporation gegründet, deren Ziel es war, das strahlgetriebene Geschäftsreiseflugzeug SAAC-23 mit hoher Geschwindigkeit zu entwickeln. Dabei sollten die Kosten möglichst gering gehalten werden, indem man auf Baugruppen der verschiedensten europäischen Flugzeugmuster zurückgriff. Wenn es auch nicht möglich war, die Produktion in der Schweiz zu etablieren und das Unternehmen seinen Sitz nach Wichita, Kansas, verlegte, gelang es doch, die letztlich als Lear Jet 23 bezeichnete Maschine in die Luft zu bringen – mit einem Tragflügel, dessen Entwurf original von der P-16 stammte.



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